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Solingen: „Amtsmüder“ Smentek geht

Solingen : „Amtsmüder“ Smentek geht

Knapp ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages hat Sozialdezernent Günter Smentek der Politik seinen Abschied zum 30. September angekündigt. Das Amt – eventuell mit neuem Zuschnitt – soll nun ausgeschrieben werden.

Vor ganz genau neun Monaten wollte niemand der Frischvermählten von Schwarz-Rot etwas wissen von einer frühzeitigen Suche nach einem Nachfolger für Solingens Sozialdezernenten Günter Smentek. Jan Welzel, CDU-Fraktionsgeschäftsführer, damals im Gespräch mit der Morgenpost: „Wir gehen davon aus, dass er bis 30. Juni 2008 im Dezernenten-Amt bleibt.“ Am Mittwochabend gab Smentek seiner Fraktion Bescheid, dass er seinen Vertrag nicht erfüllen wird. Er hat Oberbürgermeister Franz Haug hat um seinen frühzeitigen Abschied gebeten, der diesem Anliegen gesetzmäßig entsprach. Zum 30. September wird der 63-Jährige seinen Hut nehmen: „Ich bin müde – amtsmüde.“ Er habe den Antrag auf Versetzung in den Ruhestand noch in gesunder Verfassung stellen wollen. Er sei in einem längerfristigen Prozess dahinter gekommen, dass „ich dem Amt meinem eigenen Anspruch gemäß nicht mehr in dem Maße gewachsen bin, wie dies aufgrund der momentanen Situation von Nöten wäre,“ gestand der Dezernent ein.

Wer Smentek kenne, habe diese Entwicklung seit Monaten absehen können, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Bernd Krebs. Zeit genug für die Christdemokraten, um schon einen Nachfolger in der Hinterhand haben? Krebs: „Haben wir nicht“, und er verweist auf das nun folgende Prozedere der Ausschreibung. Mit dem Ärger, den es 2003 um das Sozialdezernat von Smentek gab, habe der Weggang nichts zu tun, so Krebs weiter. Es sei klar, dass es zwischen dem Stadtkämmerer und Dezernenten ein Spannungsfeld gebe, wenn Letzterer, wie geschehen im Sozialbereich, zu viel Geld ausgebe. Damals explodierten die Sozialausgaben – etwa bei den Heimkosten – und Smentek stand mittendrin in der Kritik: „Aber da sind keine Narben zurückgeblieben“, so Krebs. So ganz unumstritten war der in Soltau Geborene weder bei Freund noch bei „Feind“. So bestätigt auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Ernst Lauterjung – der den Entschluss des „integren“ CDU-Mannes „sehr bedauert“ – dass Smentek nicht immer ein glückliches Händchen gehabt habe. Aber: „Wir Genossen jagen keinen Dezernenten aus dem Amt.“ Das hat die CDU quasi dann lieber selber befördert. Denn vor allem aus den eigenen Reihen fehlte es Smentek an Rückhalt. Auch von Oberbürgermeister Haug muss sich der 63-Jährige manches Mal allein gelassen gefühlt haben – auch wenn ihm dieser gestern seine Freudschaft versicherte.

Wie es weiter geht? Die SPD habe mit ihrem Koalitionär darüber noch nicht gesprochen, versichert Lauterjung, um gleich hinzuzufügen: Seine Fraktion habe noch keinen Nachfolger im Auge. Laut Kooperationsvereinbarung wollen die beiden Partner Personalentscheidungen einvernehmlich treffen. Bereits gestern Abend sollen sie zusammen gesessen haben. „Wenn die CDU uns diesen Posten überlässt, nehmen wir an“, so Lauterjung.

Offizieller Vertreter von Smentek ist Hartmut Hoferichter. Damit liegt für Lauterjung auf der Hand, wer den Bereich kommissarisch übernehmen soll. Wie lange Hoferichter diese Arbeit mitmachen soll, ist nicht klar, da auch die SPD die Entscheidung über die Neubesetzung nicht übers Knie brechen will. Man müsse schauen, ob die derzeitige Aufgabenverteilung noch sinnvoll sei, so Lauterjung weiter. Das sieht Krebs genauso. Er möchte lieber sofort umverteilen und dann auf die Suche nach einem Nachfolger gehen: „Hartmut Hoferichter ist jetzt schon überlastet.“ Aus seiner Sicht müssten die Aufgabengebiete des Smentek-Dezernates auf alle verteilt werden.

(RP)