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Solingen: Am Ufer gibt es nichts, was es nicht gibt

Solingen : Am Ufer gibt es nichts, was es nicht gibt

Mitglieder des Angelvereins Burg/Wupper und des OTV reinigten das Flussufer der Wupper.

Während in Sichtweite vereinzelte Touristen gemütlich mit der Seilbahn über die Wupper gondelten, stapfte André Babik an der Einmündung des Eschbachs in die Wupper ins knöcheltiefe Wasser - und fischte prompt ein Handy heraus. "Der Wohlstandsmüll im Wandel der Zeit", schmunzelte er, während seine Mitstreiter Christin Breuker und Thomas Prosch einige Meter weiter mit der Zange nach Plastik und Papier griffen.

"Hier findet man einfach alles", erzählte Babik. Autoreifen, Baustellenbaken, Einkaufswagen - und sogar eine Mörsergranate habe er bereits am Wupperufer in Burg entdeckt. Am Samstag war es wieder soweit: Zum ersten Mal in diesem Jahr - nachdem ein früherer Termin wegen Schnee abgesagt werden musste - trafen sich rund 30 Mitglieder des Angelvereins Burg/Wupper 1994, Bürger und die Kanuten des Ohligser Turnvereins, um einen Teil des Flussufers vom Müll zu befreien. "Das machen wir normalerweise fünfmal zwischen Februar und Mitte März", erklärte Daniel Schäfer, Gewässerwart bei den Anglern. "Später geht es wegen der Brutzeit der Vögel nicht mehr", ergänzte Pressewart Horst Engels. Der Angelverein ist als Pächter des Wuppergebietes zwischen Wiesenkotten und dem Wasserwerk Glüder zur Reinigung verpflichtet. "Es ist uns aber unabhängig davon wichtig, die Natur zu erhalten", betonte Schäfer. An der Vereinshütte gegenüber dem alten Schulgebäude an der Hasencleverstraße sammelten sich die Helfer, die Wathosen und Gummistiefel übergestreift hatten. Müllsäcke und Zangen stellten die Technischen Betriebe zur Verfügung. Vorstandsmitglied Holger Splettstößer erklärte anhand eines Plans die Routen, die die Dreiergruppen zu bewältigen hatten. "Jeder von uns legt rund zwei Kilometer zurück", erklärte Daniel Schäfer. Das mag zwar zunächst nicht nach sehr viel klingen, ist aber durchaus anstrengend: Schließlich geht es nicht nur permanent am Hang entlang, sondern manchmal auch ins Wasser.

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Rund vier Stunden sind die Reinigungstrupps in der Regel unterwegs. Und bei ihren Aktionen kommt einiges zusammen: "In den Jahren 2014 bis 2016 waren es immer um die 1,7 Tonnen", erklärte Horst Engels. "Zum Glück gab es zuletzt kein größeres Hochwasser", sagte Daniel Schäfer. Denn bei hohem Pegelstand schwemmt die Wupper besonders große Abfallmengen vom Wuppertaler Ufer in Burg an. Insgesamt sei das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung gestiegen, erklärte der Gewässerwart.

Gelassen können die Wupper und ihre Anwohner inzwischen auch dem Höhepunkt der fünften Jahreszeit entgegensehen: Schließlich finden in Unterburg keine Karnevalsumzüge mehr statt. "Und nach denen", berichtete Schäfer, "war die Verschmutzung natürlich immer besonders groß."

(ied)