Solingen: Altes Haus im neuen Glanz

Solingen : Altes Haus im neuen Glanz

Heinz und Astrid Rieke lassen derzeit das historische Handelskontor der Firma Weyersberg sanieren. Im vergangenen Jahr erwarb das Ehepaar den denkmalgeschützten Gründerzeitbau.

Im großzügig angelegten Treppenhaus des historischen Handelskontors Weyersberg an der Wilhelmstraße in Ohligs erinnert eine Kupferplakette aus dem Jahr 1937 an das damals 150-jährige Bestehen des Solinger Unternehmens. Über den edel wirkenden Terrazzoboden gelangt der Besucher auf eine Holztreppe. Im ersten Obergeschoss stehen mehrere alte Tresore.

"Die haben wir ganz bewusst hier gelassen", erzählen Heinz und Astrid Rieke. Das Ehepaar hat das 1900 erbaute Gebäude im vergangenen Jahr gekauft und umfangreiche Renovierungsarbeiten veranlasst. "Wir haben ein Faible für Jugendstilgebäude", sagt Heinz Rieke.

Auch das eigene Haus der beiden "Wahl-Ohligser" stammt aus dieser Epoche. Auf die Immobilie an der Wilhelmstraße kamen der Ingenieur und die Anwältin über das Internet. Das stark sanierungsbedürftige Gebäude war Stammsitz der Metallwarenfabrik Gebrüder Weyersberg und diente unter anderem der Konfektionierung von Klingen sowie als Wohnhaus für Angestellte. Seit 1987 steht das Haus unter Denkmalschutz.

Derzeit nutzen verschiedene Mieter, darunter die Schülerhilfe und die Familienberatungsstelle "Pro familia", die Räume. Dass bei einem Haus dieser Altersgruppe die Arbeit niemals ruhen kann, schreckt das Ehepaar nicht ab. "Wir sind das von unserem eigenen Haus gewohnt", erzählt Astrid Rieke. Zudem könnten sie auf ein gutes Netzwerk von Handwerkern zurückgreifen.

"Das Schöne werden wir erhalten, was nicht mehr funktionell ist, verändern", bekräftigt Astrid Rieke. Die neuen Besitzer sahen alte Bauakten ein und studierten Grundrisse. Hausbegehungen dienten dazu, einzuschätzen, welche Maßnahmen umsetzbar sind. Neben den sechs Büros sollen vier Wohnungen entstehen. "Eine davon ist bereits vermietet und wird am 1. Juli fertig sein", berichtet Heinz Rieke, dessen Tätigkeit als Ingenieur ihm bei der Planung der Arbeiten zugutekommt.

Drei Büros mit Flächen zwischen 125 und 225 Quadratmetern sind renoviert und können noch angemietet werden. Bei der Sanierung, die in enger Absprache mit der Denkmalschutzbehörde abläuft, ist Phantasie gefragt. Ein Gebäudeteil soll als Dachterrasse genutzt werden, auf der von der Straße abgewandten Seite entstehen Balkons und im Erdgeschoss schaffen die Vermieter Parkplätze für bis zu 20 Autos.

In zwei Jahren Umbau beendet

Gleichzeitig ließen die Besitzer die Böden restaurieren, in den Büroräumen Parkett verlegen sowie Fenster und Türen nach alten Vorbildern erneuern. So will die Familie Rieke neben der Bewahrung des historischen Erbes auch die Nutzungsmöglichkeiten des 1340 Quadratmeter umfassenden Gebäudes ausweiten.

Innerhalb der nächsten zwei Jahre sollen die Sanierungsarbeiten fertig sein. "Wir sind keine Firma", sagt Heinz Rieke entspannt. "Wir machen alles nacheinander."

(ied)
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