Alte Notunterkunft in Solingen weicht neuen Wohnungen

Wohnungsmarkt in Solingen : Stadt verkauft alte Notunterkunft in Ohligs

Auf dem Grundstück an der Scharrenberger Straße entstehen im Stadtteil durch einen Investor neun neue Sozialwohnungen.

Die Briefkästen an der Eingangstür warten schon seit geraumer Zeit auf Post. Irgendwer hat die Fächer geöffnet – und auch sonst macht das beige verputzte Haus an der Ecke Scharrenberger Straße / Neptunstraße in Ohligs einen eher heruntergekommenen Eindruck. Was sich auch nicht mehr ändern dürfte. Denn nachdem die Stadt Solingen die alte Notunterkunft für Obdachlose bereits im vergangenen Jahr zugunsten einer fortan eher dezentralen Unterbringung aufgegeben hat, wird in Kürze ein Abrisstrupp das Kommando übernehmen. Der Verwaltung ist es mittlerweile gelungen, die Immobilie zu verkaufen.

Wobei die verantwortlichen Stellen im Rathaus davon ausgehen, dass es nicht allein bei dem Abbruch bleiben wird, sondern auf dem Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft zur Bahnlinie Ohligs – Remscheid in Kürze die Bauarbeiten für ein neues Gebäude beginnen. Das hat eine Sprecherin der Stadt am Montag auf Nachfrage bestätigt. „Es ist vorgesehen, dass ein Mehrfamilienhaus mit insgesamt neun preisgünstigen und geförderten Wohneinheiten entsteht“, sagte die Rathaus-Sprecherin, die darüber hinaus betonte, das dies die Voraussetzung für den Verkauf des Areals an einen privaten Investor gewesen sei.

Tatsächlich könnte durch ein solches Vorhaben eine zurzeit vor allem auf dem Wohnungsmarkt im Westen Solingens klaffende Lücke zumindest ein bisschen geschlossen werden. Denn wenn es sich auch so verhält, dass der Stadtbezirk Ohligs / Aufderhöhe / Merscheid augenblicklich zu den Boomgegenden in der Klingenstadt gehört und an vielen Stellen neue Siedlungen errichtet werden, mangelt es doch nach wie vor an bezahlbarem Wohnraum.

Nicht zuletzt aus diesem Grund hatte die Stadt erst vor wenigen Wochen eine sogenannte Wohnbauoffensive gestartet. Deren Ziel ist es beispielsweise, vorhandene Baulücken ausfindig zu machen und wenn irgendwie möglich zu schließen – da viele Experten damit rechnen, dass Solingen in den kommenden Jahren weiter zu den bevorzugten Zuzugsgebieten in der gesamten Region Bergisches Land / Rheinland gehören wird.

So kalkuliert das Rathaus nach jüngsten Zahlen, dass bis zum Jahr 2040 ungefähr 5300 zusätzliche Wohneinheiten benötigt werden. Weswegen die Verantwortlichen in der Verwaltung, wenn man so will, eine Art Doppelstrategie beim Wohnungsbau in Angriff genommen haben.

Zum einen will man private Grundstücksbesitzer verstärkt ansprechen sowie mit potenziellen Investoren zusammenbringen, um nicht genutzte Areale innerhalb der geschlossenen Bebauung für neue Wohnhäuser zu nutzen. Zum anderen sollen verwaltungstechnische Entscheidungen – etwa beim Baurecht – so schnell wie möglich über die Bühne gehen, um keine Zeit zu verlieren.

Was im Fall der alten Obdachlosen-Unterkunft in Ohligs gelingen sollte. „Wir gehen davon aus, dass der Baustart an der Scharrenberger Straße nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen wird“, hieß es am Montag aus der Stadtverwaltung. So liege der Bauantrag vonseiten des Investors vor. Und auch der Förderantrag sei gestellt worden, sagte die Sprecherin.

Momentan gibt es im gesamten Stadtgebiet rund 65 Hektar an zumeist in privater Hand befindlichem Bauland, das aufgrund der baurechtlichen Rahmenbedingungen relativ zügig dem Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen könnte.

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