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Solingen: Ärzte informieren im Hofgarten über Reanimation

Solingen : Ärzte informieren im Hofgarten über Reanimation

Dieses Szenario kann jederzeit eintreten: An einer Kasse im Hofgarten bricht jemand mit einem plötzlichen Herzstillstand zusammen. In solchen Fällen geht es um Sekunden, in denen Hilfe geleistet werden muss. Doch häufig fürchten Menschen, die nicht in Reanimation geschult sind, etwas falsch zu machen und sogar rechtliche Konsequenzen. Dem entgegnet Professor Dr. Thomas Standl, Chefarzt der Solinger Klinik für Anästhesiologie, Operative Intensiv- und Palliativmedizin: "Man kann nichts falsch machen, außer nichts zu tun. Wegschauen und nichts tun ist der größte Fehler." Denn, so betont der Mediziner: "Wenn nicht irgendjemand etwas tut, hat derjenige, der dort liegt, keine Chance."

Damit Bürger lernen, Hemmungen zu überwinden und in einem solchen Moment wertvolle Hilfe zu leisten, informieren Notärzte des Klinikums am 23., 24. und 25. September im Hofgarten unter dem Motto "Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation" über Reanimationsmaßnahmen und geben für Bürger kostenlose Schulungen. Internisten, Chirurgen und Anästhesisten sind vor Ort. An lebensgroßen Puppen können Bürger sich ausprobieren und bekommen Tipps. Beteiligt sind auch die Feuerwehr, die Malteser und das DRK. Die wichtigsten Hinweise sind auf einem Faltblatt zusammengefasst, das auch ins Portemonnaie passt. In einer Notsituation sind drei einfache Dinge wichtig, erklärt Thomas Standl: "Prüfen, rufen, drücken." Das heißt, zu prüfen, ob der Mensch ansprechbar ist, unter der Notrufnummer 112 Hilfe zu rufen und mit der Herzdruckmassage zu beginnen. Dazu wird der Oberkörper der Person entkleidet und 100-mal pro Minute auf die Mitte des Brustbeins gedrückt. Während bei Kindern die Knochen biegsam seien, sei es bei älteren Menschen unvermeidbar, die Rippen zu brechen. "Der Notarzt macht nichts anderes", betont Standl.

Mund-zu-Mund-Beatmung ist in diesem Fall nicht notwendig. "Es ist noch so viel Sauerstoff im Blut, dass dieser für einige Minuten ausreicht, bis professionelle Hilfe eintrifft", erklärt Thomas Standl. Wichtig sei, dass durch die Herzdruckmassage das Blut weiterhin zirkuliere, deshalb stehe sie im Zentrum der Kreislaufwiederbelebung. Die Aktion findet in Solingen zum ersten Mal im öffentlichen Raum statt. "Wir bringen uns gern mit ein wegen des vielen Kundenverkehrs, den wir haben", sagt Ralf Lindl, Center Manager des Hofgartens. Die Aktion startete in Solingen im vergangenen Jahr mit einem Training für die 8. Klassen am Gymnasium Schwertstraße, in diesem Jahr sind die 7. Klassen dran. "Es ist gut, wenn man in jungen Jahren Berührungsängste abbaut", sagt Standl.

Die Aktionstage sind Teil der "Woche der Wiederbelebung", initiiert vom Berufsverband Deutscher Anästhesisten, der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin und dem German Resuscitation Council.

(bjd)