Solingen: Ärger mit der Wasseruhr

Solingen : Ärger mit der Wasseruhr

Als er das Gefühl hatte, dass seine Wasseruhr zu wenig misst, meldete Andreas Vesper den Defekt den Stadtwerken. Die tauschten den Zähler aus und schickten ihm gleich eine Nachzahlung. Unkulant findet das Vesper.

Auf die Solinger Stadtwerke (SWS) ist Andreas Vesper nicht gut zu sprechen. Erst musste er für eine seiner beiden Töchter Nachzahlungen für das Schokoticket leisten. Nun soll er statt 240,70 Euro ganze 538,99 Euro nachzahlen, weil er einen Fehler an der Wasseruhr entdeckt und diesen den SWS direkt mitgeteilt hat. „Hätte ich mich nicht gemeldet, wäre ich erst in diesem Jahr geschätzt worden und hätte einen deutlich niedrigeren Betrag nachzahlen müssen“, sagt der Gräfrather Familienvater. „Ehrlichkeit zählt bei den Stadtwerken nichts.“ Er habe eigentlich erwartet, dass seine freiwillige Meldung honoriert werde und „man sich auf der Mitte trifft“. Dann wäre der Nachzahlungsbetrag zumindest halbiert worden.

Nach Auskunft der Stadtwerke wurde in Vespers Fall grundsätzlich nach Vorschrift gearbeitet. „Er hat das Wasser ja verbraucht“, erklärte Sprecherin Anita Stefanic. „Und spätestens dieses Jahr wäre der Fehler aufgefallen.“ Denn alle sechs Jahre würden die Wasserzähler turnusgemäß ausgetauscht, überprüft, neu geeicht und bei Bedarf wieder eingesetzt. „Und nach Paragraph 21 unserer allgemeinen Versorgungsbedingungen dürfen wir innerhalb von zwei Jahren einen falsch angenommenen Betrag nachkorrigieren.“

Doch die festgestellten Fehler seien verschwindend gering. Im Jahr 2006 lagen den Stadtwerken 24 Kundenbeschwerden zu Wasserzählern vor. „Normalerweise beschweren sie sich, wenn sie glauben, zu viel zahlen zu müssen“, berichtet Anita Stefanic. „Die häufigste Ursache für Defekte sind Verschmutzungen.“ Dies sei auch bei der Wasseruhr der Vespers der Fall gewesen.

Das Rädchen werde dadurch langsamer, so dass der Zähler insgesamt einen geringeren Verbrauch anzeige. Erst wenn es deutliche Unterschiede zu den vorherigen Abrechnungen gebe, falle ein solcher Defekt bei den Stadtwerken auf. Deshalb gelte auch die zweijährige Frist für die Nachkorrektur einer Wasserabrechnung.

Eine generelle Kulanz für Kunden, die selbst einen zu niedrigen Verbrauch vermuten und den Stadtwerken melden, gibt es der SWS-Sprecherin zufolge nicht. „Aber vielleicht können wir Herrn Vesper für seine Ehrlichkeit wenigstens ein kleines Dankeschön zukommen lassen.“

(RP)
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