Solingen: 30.000 Jecken und 1000 Störer

Solingen: 30.000 Jecken und 1000 Störer

Wieder störten Jugendliche aus Solingen rund um den Leichlinger Zoch massiv. Das Gros der Zuschauer feierte friedlich.

Einen Blütensamstagszug mit zwei Gesichtern erlebten die Jecken in Leichlingen: Auf der einen Seite fröhlich feiernde Karnevalisten, allen voran Prinz Michael III. mit Gefolge. Auf der anderen Seite rund 1000 zum Teil gewalttätige, oftmals stark alkoholisierte Jugendliche vor allem aus Solingen.

Die gut 30.000 Besucher am Zugweg erlebten eine Tollität, die ihr Glück kaum fassen konnte: "Ich wusste zwar, dass es super werden würde. Aber jetzt bin ich doch ein bisschen überwältigt", gestand der Prinz auch mit Blick auf das nass-kalte Wetter. "Dass trotzdem so viele Menschen gekommen sind, ist einfach schön", sagte er beseelt. Mit seinem Gefolge brachte er Kamelle unters Volk, was die Hände hergaben. Über zwei Paletten Süßigkeiten hatten sie am Morgen noch auf den Prinzenwagen verladen, spätestens in der Gartenstraße waren die Vorräte erschöpft. "Einfach super", und "hat richtig Spaß gemacht" befanden auch die beiden eritreischen Adjutanten Nani und Jamal, und ihr Kollege Michael Schwaller war auf dem Wagen nicht nur gut drauf, sondern geradezu "außer Rand und Band".

Auch die Fußgruppen und Festwagen hatten das Sessionsmotto "Leichlingen ist voller Magie - die Jecken führen hier Regie" ideenreich umgesetzt. Die Handballfründe und die Karnevalsfreunde der Förster-Sons-Straße zauberten Kaninchen aus dem Hut, bei der Rittergilde fuhren "Magic Knights" mit. Auf schwarze Magie setzten die Jusos, bei ihnen hieß es "Grokos Pokus fidibus, dreimal schwarzer Kater". NRW-Innenminister Herbert Reul ließ es sich nicht nehmen, wie jedes Jahr mit dem Trömmelche im Zug mitzugehen. Der aber hatte nicht pünktlich um 14.11 Uhr in der Landwehrstraße losgehen können: Zahlreiche Jugendliche blockierten die Bahnhofstraße. Einige von ihnen waren bereits um 8.30 Uhr nach Leichlingen gekommen, um den Polizeikontrollen zuvorzukommen. Dementsprechend voll war schon um 12 Uhr das Ausnüchterungszelt, das erstmals von Leichlinger und Solinger Jugendamtsmitarbeitern betreut wurde.

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Noch bevor der Zug rollte, wurden bei Jugendlichen Alkoholwerte bis zu 2,2 Promille gemessen, der jüngste Patient war zwölf Jahre alt. "Wir geben in diesem Jahr keine Tüten mehr aus, sondern große Eimer", sagte Rüdiger Hagedorn, Chef des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Leichlingen. Zwei Notärzte hatten im DRK-Zelt alle Hände voll zu tun, vier Jugendliche wurden vor Zugbeginn alkoholisiert ins Krankenhaus eingeliefert, ein Jugendlicher flog in der Bahnhofstraße durch ein Fenster.

Auch die Polizei ließ ihrer Ankündigung Taten folgen: Sie musste entlang der Zugstrecke Schlägereien auflösen, junge Leute wurden in Gewahrsam genommen, andere nach Solingen zurückgeschickt. "In Spitzenzeiten versammelten sich circa 1000 Personen in dem neuralgischen Bereich der Bahnhofstraße", meldete die Polizei. In 14 Fällen sprach sie Platzverweise aus - fast doppelt so viele wie 2017, da waren es acht gewesen. Zwei Jecke "mussten sich im Gewahrsam abkühlen", im vergangenen Jahr waren es sechs. "In einigen Fällen fielen Personen mit Betäubungsmitteln auf."

Für einige Störer dürfte der Samstag ein Nachspiel haben: "Wir werden die Eltern der Jugendlichen, die bei uns im Zelt ausnüchtern mussten, ansprechen", sagten Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes.

(RP)