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Solingen: 2000 Haushalten wurde der Strom gesperrt

Solingen : 2000 Haushalten wurde der Strom gesperrt

Aktionswoche der Verbraucherberatung am Werwolf über Energieschulden und damit verbundene Nebenforderungen.

Mit 2100 Euro stand die 25-jährige alleinerziehende Mutter von zwei jungen Kindern bei den Stadtwerken in der Kreide. Aufforderungen, die Rechnung beim Energieversorger zu zahlen, kam sie nicht nach. Auf Mahnungen sowie einem ultimativen Brief, dass in drei Tagen der Strom abgesperrt wird, reagierte sie nicht. Konsequenz: Im Februar 2013 wurde diesem Haushalt der Strom abgesperrt - "die Familie saß im Dunkeln und hatte auch kein warmes Wasser mehr", erzählt Britta Masuch von der Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale am Werwolf. Tagsüber sei die kleine Familie bei der Mutter der Alleinerziehenden untergekommen. Über die Wohnungsnothilfe der Stadt, die mit einem zinslosen Darlehen half, und der Eröffnung eines Privatinsolvenzverfahrens einige Monate später konnte die Verbraucherberatung der 25-jährigen Hartz-IV-Empfängerin wieder eine Perspektive eröffnen. "Heutzutage ohne Strom zu leben ist unvorstellbar und auch existenzbedrohend", sagt Masuch. Aber sie ergänzt: "Eine Stromsperre kommt nicht aus heiterem Himmel. Spätestens bei der ersten Mahnung sollte man hellhörig werden und sich sofort kümmern."

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"Und dann war's plötzlich dunkel und kalt", so lautet die Überschrift einer bundesweiten Aktionswoche, an der sich seit gestern auch die Solinger Beratungsstelle beteiligt. Immerhin 2000 Haushalte waren jeweils 2011 und 2012 in der Klingenstadt von Stromsperren betroffen, weil sie ihre Schulden beim Energieversorger nicht rechtzeitig beglichen hatten. "Das Problem nimmt zu", sagt Dagmar Blum, Leiterin der Verbraucherzentrale am Werwolf, "zumeist bei Haushalten mit geringem Einkommen". Die hohen Energiepreise seien mit ein Grund dafür.

Aber zwischen der Ankündigung und dem Vollzug einer Stromsperre würden meistens rund sechs Wochen liegen. Ausreichend Zeit, um das Problem zu lösen. "Keiner, der betroffen ist, muss es zu einer Stromsperre kommen lassen. Es gibt Möglichkeiten, die Stromsperre abzuwenden", erklärt Blum. Voraussetzung dafür sei aber, sich damit zu beschäftigen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Die Verbraucherberatung stehe jedem offen, der Hilfe benötige.

Wichtige Tipps zur Vermeidung einer Versorgungsunterbrechung gibt es in einem Flyer "Stromsperre - Was nun?". Im Rahmen der offenen Sprechstunde am Donnerstag, 26. Juni, können Betroffene von 14 bis 16 Uhr ebenfalls Rat einholen.

Es sind aber nicht nur die überfälligen Rechnungen zu leisten, auch damit verbundene Nebenkosten schlagen ins Kontor, wenn man Schulden beim Energieversorger hat. Mahngebühren, die zwischen 1,50 bis sieben Euro liegen - die Stadtwerke Solingen (SWS) berechnen drei Euro - kommen oben drauf, die Versorgungsunterbrechung wird mit Kosten zwischen 12,50 bis 95,20 Euro berechnet (SWS: 55 Euro), der Wiederanschluss kostet zwischen 14,88 und 120,20 Euro (SWS 65,45 Euro). "Diese Kosten sollte man in jedem Fall überprüfen", rät Dagmar Blum.

Zudem den eigenen Energieverbrauch. Ein Blick auf den eigenen Stromzähler vielleicht einmal im Quartal schützt am Jahresende vor unliebsamen Überraschungen.

(RP)