20 Jahre Schuldner- und Insolvenzberatung in Solingen

20 Jahre Schuldner- und Insolvenzberatung in Solingen : Auskommen mit dem Einkommen

Vor 20 Jahren nahm die Verbraucherberatung die Schuldner- und Insolvenzberatung auf. Arbeitslosigkeit, gescheiterte Selbstständigkeit, Trennung, Tod eines Partners, Krankheit oder Unfall – die Ursachen sind die gleichen.

Ihr erster Fall ist Britta Masuch bis heute in nachhaltiger Erinnerung geblieben. Als im Januar 1999 die Insolvenzberatung startete, kam eine Frau, deren Mann in seiner selbstständigen Position gerne zu viel Geld ausgab und sie zuletzt nicht nur mit den Kindern, sondern auch mit einem Schuldenberg allein ließ. „150.000 Mark Schulden hatten sich angehäuft. Doch die Frau war fleißig, hat jeden Job angenommen und war willens, das neue Insolvenzverfahren durchzuziehen. Zusammen mit ihren Kindern gelang ihr nach sechs Jahren der Schuldenabbau – die Restschuldbefreiung wurde ihr gewährt“, erzählt die Verbraucherberaterin.

Bevor der Gesetzgeber die Insolvenzberatung vor 20 Jahren in Gang setzte, gab es für Verbraucher so gut wie keine Schuldenregelung. Dafür aber Kredite in Hülle und Fülle mit teils horrenden Zinsen. „20 Prozent und mehr für Teilzahlungskredite“, sagt Britta Masuch. Die Folge: Viele Verbraucher saßen in der Schuldenfalle. So kam es, dass der Gesetzgeber die Rechtsprechung änderte und das Insolvenzrecht einführte, „damit sich arbeiten wieder lohnte“, so Masuch. Ansonsten hätten Inkassokosten und Zinsen das wenige, was den Verbrauchern blieb, aufgezehrt.

Britta Masuch (l.) und Sonja Moritz von der Verbraucherberatung am Werwolf helfen überschuldeten Personen aus der Schuldenfalle. Foto: Vetter. Foto: Uwe Vetter

Das Insolvenzrecht war von Anfang an darauf angelegt, nach sechs Jahren heraus aus den Schulden zu kommen. Schnell korrigiert hat die Politik auch die Vorgabe für Schuldner, damals zunächst 1500 Mark Gerichtskostenvorschuss zu zahlen, damit überhaupt ein Verfahren in Gang kam. „Die Betroffenen hatten ja kein Geld. So wurde aus dem Vorschuss eine Stundungsregelung. Nach dem sechsjährigen Verfahren müssen nun die Gerichtskosten gezahlt werden – mithin sind das heute bis zu 2500 Euro“, erklärt die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberaterin.

Britta Masuch und ihre Kollegin Sonja Moritz haben in den vergangenen Jahren immerhin 17.487 Betroffenen einen Ausweg aus dem Schuldenkarussell aufgezeigt. Und längst nicht in jedem Fall kommt es zum Insolvenzverfahren, das Britta Masuch grundsätzlich als „eine super Lösung“ einstuft. „Denn vorher konnten die Gläubiger mehr oder weniger machen, was sie wollten – und pfänden.“ Zwingende Voraussetzung vor dem Insolvenzverfahren ist allerdings zunächst der Versuch der außergerichtlichen Einigung. „Das klappt in jedem zehnten Fall“, sagt Masuch, die in gewährten Krediten nicht so sehr das Problem sieht, vielmehr aber im Dispokredit: „Das ist die Einstiegsdroge fürs Schulden machen.“ Und die Banken lassen sich die Überziehung des Girokontos teuer bezahlen – durchschnittlich 12,5 Prozent Zinsen seien hier die Regel.

Arbeitslosigkeit, gescheiterte Selbstständigkeit, Trennung, Tod eines Partners, Krankheit oder Unfall – die Ursachen für Zahlungsprobleme sind damals wie heute die gleichen. Vor allem Banken und Telekommunikationsunternehmen sind die Hauptgläubiger. „Viele müssen erst lernen, mit Kosten und Verträgen zurechtzukommen. Und vor allem mit dem Geld, das ihnen monatlich zur Verfügung steht“, sagt Sonja Moritz. Nur so viel ausgeben, was man verdient hat – diese Einsicht sei längst nicht bei jedem angekommen.

1211 Verbraucherinsolvenzverfahren wurden mit Unterstützung der Verbraucherberatung am Werwolf in den vergangenen 20 Jahren eingeleitet. „Zudem haben wir für viele Menschen mit finanziellen Nöten durch Verhandlungen mit Gläubigern wieder ein Fundament fürs Auskommen mit dem Einkommen gelegt“, erklären Masuch und Moritz.

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