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Solingen: 16-Jähriger sticht eigenen Bruder nieder

Solingen : 16-Jähriger sticht eigenen Bruder nieder

Der junge Mann ist am Dienstag im Flüchtlingsheim Beethovenstraße mit einem Messer auf das Opfer losgegangen. Der 20-Jährige wurde schwer verletzt. Gegen den Täter, der schon früher auffällig geworden war, wurde Haftbefehl erlassen.

Der Anlass für den Streit war nichts weiter als eine Lappalie gewesen - doch für das Opfer hätte die Auseinandersetzung beinahe tödliche Folgen gehabt. Ein 20-jähriger Mann aus Syrien ist am Dienstagabend in der städtischen Flüchtlingsunterkunft an der Beethovenstraße von seinem vier Jahre jüngeren Bruder mit einem Messer angegriffen und so schwer verletzt worden, dass er später auf der Intensivstation des städtischen Klinikums notfallmedizinisch versorgt werden musste.

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft gestern in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, konnte der mutmaßliche Täter noch am Dienstagabend an Ort und Stelle festgenommen werden. Im Lauf des Mittwochs wurde der 16-Jährige dann einem Richter vorgeführt, der den Jugendlichen schließlich wegen gefährlicher Körperverletzung zunächst einmal in Untersuchungshaft schickte.

Derweil gingen in der Flüchtlingsunterkunft an der Beethovenstraße die Ermittlungen weiter. Ersten Erkenntnissen zufolge waren die zwei Brüder, die zusammen in einer Wohnung des Containerdorfes im Stadtbezirk Mitte lebten, am Dienstag gegen 18 Uhr aus einem nichtigen Grund aneinandergeraten. So soll es zwischen den beiden um Arbeiten im Haushalt zum Streit gekommen sein.

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Anscheinend gab zunächst ein Wort das andere - aber dabei blieb es am Ende nicht. Denn plötzlich zückte der 16-Jährige ein Messer, ging auf den 20-Jährigen los und stach diesen in den Brustkorb, so dass der ältere der beiden Brüder zuletzt zusammenbrach und mit seinen schweren Verletzungen liegenblieb.

Zur Tatwaffe selbst konnte die Staatsanwaltschaft gestern noch keine abschließenden Angaben machen. Es werde augenblicklich geprüft, um welche Art von Messer es sich gehandelt habe, hieß es. So sei nicht auszuschließen, dass es ein normales Küchenmesser aus dem gemeinsamen Haushalt der Brüder gewesen sei.

Tatsächlich ist der 16-Jährige für die Behörden aber kein sprichwörtlich unbeschriebenes Blatt. "Der Jugendliche wurde schon früher einmal auffällig", sagte der zuständige Staatsanwalt auf Anfrage unserer Redaktion. Beispielsweise soll der junge Syrer in der Vergangenheit bereits wegen einer Widerstandshandlung gegen Beamte in Erscheinung getreten sein.

Seit wann der mutmaßliche Täter und sein Bruder in der Unterkunft an der Beethovenstraße leben, blieb zunächst unklar. Nach Angaben aus den Reihen des dort beschäftigten städtischen Personals ist der Vorfall vom Dienstagabend jedoch der erste dieser Art in der Flüchtlingseinrichtung, die momentan nur zu gut einem Fünftel belegt ist. So sind in dem Heim an der Beethovenstraße, das eigentlich für insgesamt 90 Menschen ausgelegt ist, augenblicklich 19 Flüchtlinge untergebracht. "Diese stammen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, dem Kosovo sowie aus Armenien", teilte eine Sprecherin der Stadt gestern Nachmittag mit.

Die Menschen leben innerhalb der zweigeschossigen blauen Containerbauten in wohnungsähnlichen Einheiten. Neben der Leitung der Einrichtung an der Beethovenstraße stehen Sozialarbeiter zur Verfügung, die sich um die Belange der Flüchtlinge kümmern. Und zudem gibt es einen Sicherheitsdienst, der im Auftrag der Stadt Solingen während der Nachtstunden sowie in regelmäßigen Abständen an der Flüchtlingsunterkunft nach dem Rechten sieht.

(or)