130 Menschen begehen zweiten Solinger Kippa-Tag

Aktion zum Kippa-Tag in Solingen : „Antisemitismus ein ernstes Problem in unserer Gesellschaft“

Rund 130 Menschen versammelten sich am Montagnachmittag vor dem Rathaus zum zweiten Solinger Kippa-Tag.

„Als wir im vergangenen Jahr erstmals den Kippa-Tag veranstalteten, habe ich mir nicht träumen lassen, dass die Zahl antisemitischer Straftaten in Deutschland weiter steigt“, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach zum Auftakt der Kundgebung. Mehr als 1800 Fälle antisemitisch motivierter Straftaten wurden gleichwohl 2018 gezählt. Das sei eine deutliche Zunahme gewesen, so der Verwaltungschef. Als „unfassbar“ bewertete Kurzbach die Aussage des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Dr. Felix Klein, die jüdische Bevölkerung in Deutschland sollte aus Sicherheitsgründen auf das Tragen der Kippa verzichten. „Antisemitismus ist ein ernstes Problem in unserer Gesellschaft. Dem müssen wir entgegentreten und unseren jüdischen Freunden sagen: Wir sind da für euch“, erklärte Tim Kurzbach.

Die Kippa ist eine vornehmlich in Ausübung der Religion gebräuchliche Kopfbedeckung männlicher Juden. Dabei handelt es sich um eine kleine kreisförmige Mütze aus Stoff oder Leder, die den Hinterkopf bedeckt. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass Menschen Angst haben, wenn sie eine Kippa tragen“, sagte der Oberbürgermeister und ergänzte: „Kreuz, Kippa, Kopftuch – jeder hat das Recht, religiöse Symbole zu tragen.“ Von daher komme es darauf an, der „hässlichen Fratze“ des Antisemitismus zu begegnen. Auch Leonid Goldberg, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde, kann die Aussage des Beauftragten der Bundesregierung nicht nachvollziehen: „Was kommt als nächstes, dass wir aus Sicherheitsgründen ausreisen sollten?“ Goldberg betonte in seiner Ansprache: „Wie leben in einem freien Land – und das wollen wir auch weiterhin. Aber das geht nur, wenn wir zusammenstehen.“

Den Kippa-Tag als Tag der Solidarität zu begehen, dazu forderte der Vorsitzende des Freundeskreises Solingen - Ness Ziona, Bernd Krebs, auf. Eine Kippa tragen, das sei nichts fremdes. „Wir müssen uns deutlich von Scharfmachern abgrenzen, die auch in unserer Stadt sind“, sagte der CDU-Politiker. Bernd Krebs forderte dazu auf, Flagge zu zeigen. „Die bürgerliche Mitte darf nicht schweigen. Die Bekämpfung des Judenhasses ist eine Bürgerpflicht“, sagte der Vorsitzende des Freundeskreises.

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