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Rommerskirchen: Ziegelhof: Zukunft ungewiss

Rommerskirchen : Ziegelhof: Zukunft ungewiss

Am Samstag werden alle 58 Haflinger der Reit- und Ferienanlage Ziegelhof öffentlich versteigert. Die insolvente Gesellschaft hat mehr als zwei Millionen Euro Schulden. Was mit dem Grundstück passiert, bleibt offen.

Durch ein Loch im Dach bricht das Licht der warmen Herbstsonne in den Pferdestall. Es duftet nach Heu — und Pferdemist. Schnauben. Wiehern. Pfauen balancieren auf den schmalen Holzstreben über den zum Teil maroden Boxen der 58 Haflinger. Es sind die letzten Tage, die sie auf dem Ziegelhof in Anstel verbringen. Morgen werden die Pferde öffentlich versteigert. Die Reit- und Ferienanlage ist insolvent. Mehr als 60 Gläubiger warten auf zwei Millionen Euro, größter Gläubiger ist die Sparkasse Neuss. Zur Auktion erwartet Insolvenzverwalter Martin Lambrecht bis zu 1000 Interessenten — es sei denn, es findet sich noch kurzfristig ein Käufer, der die Pferde en bloc zum Festpreis erwirbt. Angebote gebe es viele, doch bislang habe keiner die Liquidität nachweisen können, erklärt Lambrecht.

Tränen dürften bei den Reitschülern des Vereins "Pferdesport und Reittherapie Ziegelhof" fließen, wenn der erfahrene Auktionator Volker Raulfs den letzten der 58 Haflinger für "verkauft" erklärt hat. Sollten alle Pferde neue Besitzer finden, ist ein Verbleib der Tiere beim Ziegelhof unwahrscheinlich. Die Stallungen, die Reithalle und die Koppeln auf dem etwa 50 000 Quadratmeter großen Gelände der alten Ziegelei wären menschen- und tierverlassen. Lediglich das Ehepaar Friedrich und Gerda Lesemann, die das "Haflingergestüt Ziegelhof" seit 1988 führt, verbliebe auf dem Grundstück.

"Trotz Insolvenz konnten wir den Betrieb seit zwei Monaten fortführen und weiterhin Reiterferien und Reitunterricht für Kinder und Jugendliche anbieten", erklärt Insolvenzverwalter Lambrecht. Eine dauerhafte Fortführung sei leider nicht möglich, da nicht einmal die Unterhaltskosten für die Tiere erwirtschaftet werden könnten. Darüber hinaus fehle das Geld für Investitionen in die Anlage und in artgerechte Pferdeboxen. Im Winter sollen die Preise für Stroh und Futter weiter massiv steigen.

"Die Insolvenz ist sehr schade, weil viele Kinder dort reiten gelernt und die Gesellschafter mit viel Herzblut diesen Reiterhof aufgebaut haben", sagt Lambrecht, dem die Abwicklung des Betriebs nach eigenem Bekunden "alles andere als Spaß" mache. Ihm wäre es auch am liebsten, sollte sich ein Käufer finden, der die Tiere en bloc kaufe, in die Sanierung der Gebäude investiere — mehrere hunderttausend Euro würden fällig — und die Pferde an Ort und Stelle bleiben könnten. Doch bislang habe er von keiner Organisation ein Angebot erhalten, in dem seriös die Liquidität nachgewiesen wäre, beispielsweise durch einen Kontoauszug.

Gleichzeitig muss er aufgeregten Pferdeschützern erklären, dass es nicht vorgesehen ist, die Haflinger an Metzger zu verkaufen. "Jedes Pferd wird mit einem Mindestgebot über Schlachtpreis versteigert."

(NGZ)