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Rommerskirchen: Vorerst werden keine Altenheime gebaut

Rommerskirchen : Vorerst werden keine Altenheime gebaut

Als es 2002 um die Errichtung des ersten Seniorenheims überhaupt in der Gemeinde ging, waren die Erwartungen deutlich höher. Bis zu vier Altenheime werde es 2012 in Rommerskirchen geben, lautete eine Prognose. Die hat sich so nicht bewahrheitet.

Neben dem St. Elisabeth-Haus der Caritas wird es in absehbarer Zeit "nur" das unter anderem von Ex-Fußballstar Paul Breitner geplante Seniorenheim der Firma "Carpe Diem" an der Venloer Straße geben — wenn nicht die Klage eines Anwohners vor dem Oberverwaltungsgericht Münster Erfolg haben sollte, die zurzeit noch anhängig ist.

Das Gelände des ehemaligen Rewe-Markts, auf dem das Altenheim entstehen soll, ist gründlich planiert worden. Mit dem Bau wurde allerdings noch nicht begonnen. Zu den Kritikern des Projekts zählt insbesondere der Rhein-Kreis Neuss: Jürgen Steinmetz, Stellvertreter von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, machte bei der Senioren-Union deutlich, dass der Kreis "bei der Beurteilung neuer Seniorenzentren sehr zurückhaltend" geworden ist. Ein wesentlicher Faktor sind die mit der Höhe der Pflegestufen enorm gestiegenen Kosten, die vielfach der Kreis zu übernehmen hat.

Für Hans-Werner Reisdorf, Chef der Caritas-Pflegedienste, lässt es sich "aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten: Wenn wir es durch vorstationäre Angebote, den Hausnotruf und Essen auf Rädern den Menschen ermöglichen können, in ihren Wohnungen zu bleiben, ist das ein Win-win-Geschäft."

Von einem forcierten Ausbau von Seniorenheimen kann bei der Caritas nicht die Rede sein. In Rommerskirchen ist diesbezüglich nichts geplant. "Es ist seit über zehn Jahren unsere Politik, an jedem Altenheim barrierefreies Wohnen zu ermöglichen", sagt Reisdorf. Dies sei bei allen sieben Caritashäusern im Kreisgebiet gewährleistet, wobei die konkreten Formen unterschiedlich sind. In Grevenbroich und Büttgen hat die Caritas dies in eigener Regie ermöglicht, in Rommerskirchen wird "das Tür-Tür-Tür-System" durch Investoren wie die Wrede Gesundheitsbau realisiert. Hier wurde vor drei Wochen mit dem Bau von 27 Wohnungen begonnen, die in einem Jahr bezugsfertig sein sollen. Das Grundstück neben dem St. Elisabeth-Haus hatte sich die Caritas 2001 gesichert. Barrierefreiheit sei "die optimale Voraussetzung für die häusliche Pflege", sagt Reisdorf.

Aus der Tatsache, dass die Wohnungen unmittelbar neben dem St. Elisabeth-Haus liegen, folgt keine zwingende Verpflichtung, dessen Leistungen auch wahrzunehmen. "Die Leute können optional Leistungen erhalten, wenn sie es wünschen. Ein Paket ist nicht nötig", sagt Reisdorf. Ebenso wenig wie St. Elisabeth-Leiterin Monika Pigorsch hält Reisdorf neues Personal für nötig, wenn die Wohnungen erst einmal bezogen sind. "Das, was dann an Pflege nötig ist, muss von unserem ambulanten Pflegedienst geleistet werden", sagt Reisdorf.

Ein Personalproblem gibt es gleichwohl. Dies betrifft jedoch nicht allein die Caritas oder den Kreis, vielmehr existiert es bundesweit. "Es herrscht ein Mangel an examinierten Pflegekräften", sagt Reisdorf. Um Abhilfe zu schaffen, orientiert sich nicht allein die Caritas inzwischen nach Spanien. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut lernen Pflegekräfte Deutsch. In Spanien können sie keine Arbeit finden, sind dafür aber bestens ausgebildet, denn dort ist Altenpflege ein universitäres Studienfach.

(NGZ/ila)