Rommerskirchen: Vogelzüchter lösen Verein auf

Rommerskirchen : Vogelzüchter lösen Verein auf

Der Vogelzucht- und Schutzverein Gillbach Evinghoven besteht nur noch bis zum Jahresende. Auch andere Vereinigungen haben Nachwuchsprobleme. Fürs Wochenende laden die Züchter zu ihrer letzten Ausstellung.

Der Vogelzucht-und Schutzverein Gillbach Evinghoven blickt auf sein 25-jähriges Bestehen kann zurück. Am Wochenende steht in der Gaststätte Hahn die Vogelausstellung auf dem Programm. Schon jetzt ist sicher, dass die Jubiläumsfreude durch Wehmut überlagert sein wird: Es wird die letzte Ausstellung des Vereins sein.

"Es ist schade, aber wir sind nicht mehr die Jüngsten", sagt Geschäftsführer Konrad Schillings, der ebenso wie der Vorsitzende Fritz Weitz 73 Jahre alt ist. Zum Jahresende wird sich der einzige Verein seiner Art in der Gemeinde auflösen — des anhaltenden Mangels an Züchtern wegen.

Seit geraumer Zeit sind die Vogelfreunde auf einen harten Kern von fünf Mitgliedern zusammengeschrumpft — und der Nachwuchsmangel liegt in Rommerskirchen im Trend. In der Schützenhochburg haben selbst die Brauchtumshüter Probleme mit der Altersstruktur ihrer Vereine: Verstärkte Kooperationen, wie zwischen den drei Bruderschaften aus Anstel, Frixheim und Nettesheim-Butzheim haben hier eine ihrer Wurzeln.

Auch die Taubenzüchter klagen über Nachwuchsmangel. "Bei uns sieht es fast noch schlimmer aus", meint der Vorsitzende Walter Koch. Aktuell sei der Verein noch "in der glücklichen Lage, dass wir neun reisende Schläge haben". Die jüngsten Mitglieder seien um die 40 Jahre alt. Bei anderen Vereinen gebe es "nur ein oder zwei Leute, die sich noch an ihre Posten klammern", sagt Koch. In der Reisevereinigung Mittelerft seien die Züchter in der Regel 65 bis 70 Jahre alt. Von der Auflösung bedroht sind die Taubenzüchter aber nicht: Für Januar 2013 steht die nächste Ausstellung an.

Die Evinghovener Vogelfreunde haben sich im vergangenen Vierteljahrhundert auch umweltpolitisch engagiert. Jahr für Jahr haben die Mitglieder Nistkästen gebaut. Die haben sie selbst aufgestellt oder an Interessenten abgegeben. Für sein anhaltendes Engagement hat die Gemeinde den Vogelzucht- und Schutzverein 2005 mit ihrer Ehrengabe gewürdigt. Auch für den kommenden Winter hat der Verein in Sachen Nistkästen noch einmal vorgesorgt. "Das Futter ist sehr teuer geworden", nennt Konrad Schillings einen der Hauptgründe für das vielerorts geschwundene Interesse an der Vogelzucht.

Hinzu kommt, dass es sich um ein zeitaufwändiges Hobby handelt: "Zwei Stunden täglich" sind Fritz Weitz zufolge für das Füttern und die Pflege der Tiere nötig, die zudem genügend Raum benötigen. In seiner Blütezeit war der Vogelzucht- und Schutzverein Gillbach auf der Landes- wie auch der Bundesebene aktiv: Mit dem früheren Mitglied Jakob Schellen stellten die Züchter sogar mehrfach einen Deutschen Meister.

(NGZ/rl)
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