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Rommerskirchen: Vogelschutz verzögert Kanal am Bahnhof

Rommerskirchen : Vogelschutz verzögert Kanal am Bahnhof

Wohl erst am 2. September kann der Erftverband mit dem Neubau bis zum Rücklaufbecken am Steinbrink starten.

Von Anfang September bis Ende Oktober wird der Bahnhof als solcher angesichts der von der Bahn geplanten Gleisarbeiten zwei Monate lang außer Betrieb sein. Diese Gelegenheit nutzt der Erftverband dazu, einen neuen Kanal zu bauen, der vom Bahnhof aus bis zum Hauptsammler am Steinbrinker Weg unweit des Steinbrückerhofs führen soll.

"Wir wollten ursprünglich schon am Montag dieser Woche anfangen", sagt Projektleiter Jürgen Alt vom Erftverband angesichts der schon seit einigen Wochen markierten Baustrecke. Verschoben werden musste der Start indes, weil sich in der Gegend zurzeit noch artengeschützte Vögel aufhalten. Wahrscheinlich geht es nun am 2. September los.

Jürgen Alt zufolge sind es "sowohl bauliche als auch hydraulische Gründe", die den Erftverband zum Neubau des Kanals veranlasst haben. "Der Kanal ist alt und sanierungsbedürftig", sagt Alt. Hinzu kommt, dass er auch zur Entwässerung des künftigen Baugebiets am Nettesheimer Weg dienen soll, wozu er in seiner heutigen Gestalt zu klein wäre. Beendet sein soll der Kanalbau parallel zu den Arbeiten der Bahn Ende Oktober.

Unter dem Strich kostet das Projekt rund 500 000 Euro. Die Gemeinde Rommerskirchen ist laut Baudezernent Hans-Jürgen Schneider mit lediglich 5000 Euro (für die Straßenentwässerung) im Boot. Vor der Sommerpause haben Erftverband und Gemeinde eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach der Kanalbau eine vom Erftverband vorzunehmende Maßnahme ist. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hatte Ende Juni einem Antrag der Gemeinde stattgegeben und versichert, dass der Kanalbau nicht als "vorzeitiger Maßnahmebeginn" angesehen wird.

Die Förderung des Bahnhofsumbaus durch den VRR wird also nicht gefährdet. Nötig war auch eine Beteiligung des Landschaftsbeirats. Der vom Erftverband anzulegende Betriebsweg für die Bauarbeiten befindet sich teilweise im Landschaftsschutzgebiet. Auch wenn nur ein kleiner Teil des Wegs betroffen ist, bedurfte es einer förmlichen Befreiung von den Vorschriften des Landschaftsschutzes. "Hier einen Weg zu bauen, wäre eigentlich verboten, aber wir haben die Befreiung erteilt, da hier ein überwiegendes öffentliches Interesse zu verzeichnen war", erläutert Ulrich Schmitz von der Unteren Landschaftsbehörde des Rhein-Kreises Neuss.

Was Laien verwundern mag: Bei den Arbeiten werden Gehölze und Gebüsch in der Nähe der Bahnlinie zu großen Teilen verschwinden, wobei gerade dieses Gebiet nicht unter Landschaftsschutz steht. "Anders können sie den Kanal nicht bauen", sagt Ulrich Schmitz und zeigt Verständnis für den Erftverband.

Für die Gemeinde hat das Ganze einen erfreulichen Nebenaspekt: Ist der Kanal erst einmal fertig und wird der geplante Betriebsweg als solcher nicht mehr gebraucht, kann die Gemeinde ein schon fast zehn Jahre altes Vorhaben verwirklichen: Dann nämlich soll die bald entstehende Strecke als Fuß- und Radweg genutzt werden, so dass der Bahnhof auch aus Richtung des Nettesheimer Wegs deutlich schneller als bisher zu erreichen sein wird.

(NGZ)