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Rommerskirchen: Viel Geld für marode Kanäle

Rommerskirchen : Viel Geld für marode Kanäle

2011 sind die Abwassergebühren um sechs Prozent gestiegen. Nur wenn die Kanaluntersuchungen 2011 keine größeren Schäden ergeben, könnten sie 2012 sinken. Eine Bedarfsberechnung des Erftverbands liegt noch nicht vor.

Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, doch diese besagt: Die Abwassergebühren steigen Jahr für Jahr. Gegenüber 2010 lag die von den Bürgern zu zahlende Kostensteigerung bei sechs Prozent, so dass die Gebühren nach Meinung nicht weniger Politiker inzwischen "Eifel-Niveau" erreichen.

Neben der UWG, die die Gebührensteigerungen im Rat alljährlich ablehnt, wächst auch in den anderen Fraktionen der Unmut. Etwa bei Theo Paschen (CDU). Der Frixheimer spricht von "Abzocke" des Erftverbands und mag nicht einsehen, dass etwa im nur wenige Kilometer entfernten Gohr die Gebühren deutlich niedriger liegen.

Norbert Engelhardt, stellvertretender Vorstand des Erftverbands, hatte den Gebührenanstieg damit begründet, dass 2011 besonders viele Kamera-Inspektionen und Reinigungen des Kanalnetzes anstünden. 2012 könnte es womöglich günstiger werden. Voraussetzung hierfür ist Engelhardt zufolge allerdings, dass keine weiteren teuren Reparaturen fällig werden.

26 Millionen Euro fürs Netz

Ihr Netz hatte die Gemeinde 1998 an den Erftverband übertragen — für 20 Millionen D-Mark. Das Kanalnetz war marode und mit 14 Ordnungsverfügungen behaftet: Mehr als 14 Millionen Euro hat der Erftverband seither allein in die Instandsetzung investiert. Insgesamt seien mehr als 26 Millionen Euro in den Kanal gesteckt worden.

Ob 2012 weitere Reparaturen fällig werden und die Gebühren erneut steigen, ist noch offen, denn die neue Bedarfsberechnung des Erftverbands liegt der Gemeinde noch nicht vor, wie Rathaussprecherin Juliane Paefgen gestern sagte. "Die Bedarfsberechnung wird derzeit im Wirtschafts- und Planungsausschuss des Erftverbands beraten und im Dezember verabschiedet", erklärt dessen Sprecherin Luise Bollig.

Zumindest die vorläufige Fassung flattert der Gemeinde traditionell im September ins Haus. Auf deren Basis werden die Gebühren berechnet. Bei der bisher einzigen Sitzung des vom Rat in Sachen Abwassergebühr eingesetzten Arbeitskreises hat Rechtsanwalt Andreas Berstermann, der juristische Berater der Verwaltung, die Geschäftsgrundlage erläutert.

Wie CDU-Fraktionschef Wolfgang Könen sagt, bleibt dem Rat letztlich nur die Möglichkeit zu entscheiden, wie die vom Erftverband geforderten Gebühren auf die Bürger verteilt werden. Könens SPD-Pendant Martin Mertens vertritt die Auffassung, "dass die Grundgebühr höher sein sollte als die Leistungsgebühr." Die neu eingeführte Grundgebühr für Regenwasser hat die Landwirte empört: Knapp 40 von ihnen klagen vor dem Verwaltungsgericht gegen Gebührensteigerungen, die im Einzelfall bis zu 800 Prozent betragen.

(NGZ/rl)