1. NRW
  2. Städte
  3. Rommerskirchen

Rommerskirchen: Überreste aus der Eisenzeit ausgegraben

Rommerskirchen : Überreste aus der Eisenzeit ausgegraben

Bei Grabungen wurden Objekte entdeckt, die mehr als 2000 Jahre alt sein sollen. Denkmalexperte Manfred Hundt rechnet allerdings nicht damit, dass sie ähnlich spektakulär sind wie die Funde der jüngeren Vergangenheit.

Die These mag pointiert sein, doch Manfred Hundt lag einmal mehr richtig; "Fast überall, wo man den Spaten ansetzt, findet sich etwas", hat der Beauftragte der Gemeinde für den Bodendenkmalschutz schon vor Jahren gesagt. Jüngst im Gemeindegebiet vorgenommene Grabungen haben ihn und den Ruf Rommerskirchens als einer Hochburg für Archäologen nun erneut bestätigt: Überreste aus der Eisenzeit, aus der bis ins fünfte Jahrhundert währenden römischen Besiedlung und aus dem Mittelalter sind dabei zutage getreten. Wie bedeutsam sie sind, wird sich wohl kommende Woche entscheiden: "Die Fachleute überlegen, ob neue Suchschnitte erforderlich sind. Das Amt für Bodendenkmalpflege muss entscheiden, ob gegraben werden muss."

Nach dem derzeitigen Stand der Dinge rechnet Manfred Hundt indes nicht damit, dass die Funde ähnlich spektakulär sein werden wie die römischen Gutshöfe (Villae Rusticae), die vor gut einem Jahrzehnt in Evinghoven oder vor fast 30 Jahren in Butzheim freigelegt wurden. Etwaige Parallelen vom aktuellen Fall zu den archäologischen Sensationen der vergangenen Jahrzehnte zu ziehen, hält er derzeit jedenfalls für "weit übertrieben". Sicher ist wohl in jedem Fall, dass die Dimension keineswegs an die 2005 am Nettesheimer Weg gefundenen 600 Frankengräber beziehungsweise an das ein Jahr später in Gill entdeckte Grab einer reichen Römerin heranreichen wird. Doch die jetzt gemachten Funde sind ein neuerlicher Beleg für die bis in die Jungsteinzeit zurückreichende Besiedlung des Gemeindegebiets.

Im Einsatz sind derzeit wieder der Archäologe Thomas Ibeling und sein Team. Die Experten hatten im Herbst 2011 auch am Ortsausgang Richtung Sinsteden Überreste aus der Römerzeit gefunden. Die zunächst gehegte Vermutung, einen Keller gefunden zu haben, der zu einer Villa Rustica gehört haben könnte, erfüllte sich allerdings nicht. Letztlich war es eine sogenannte Darre, die die Römer zum Trocknen von Lebensmitteln und anderen Gebrauchsgütern verwendeten. Angesichts der entdeckten Grundrisse ist jedoch sicher, dass es auch hier eine Villa Rustica gegeben hat. Was einen neuen Mosaikstein zu der längst unumstrittenen Erkenntnis hinzufügt, dass die heutige Gemeinde flächendeckend von römischen Gutshöfen durchzogen war, die zum Teil nur anderthalb Kilometer auseinanderlagen, wie Manfred Hundt sagt. In seinem 2011 erschienenen Buch "Rom in Rommerskirchen" hat Hundt, seit 1970 ehrenamtlicher Mitarbeiter des Rheinischen Amts für Bodendenkmalpflege, 500 Fundstellen auf dem 60 Quadratkilometer umfassenden Gemeindegebiet aufgelistet.

Überrascht haben den Kenner auch die jüngsten Funde nicht: Überreste aus der mittleren und jüngeren Jungsteinzeit, aber auch der Römerzeit hat er in diesem Gebiet "über 20 Jahre hinweg schon auf der Oberfläche" ausfindig machen können. Früher sei diese Fläche noch gut 1,50 Meter höher gewesen. Er rechnet nicht damit, dass noch Fundamente gefunden werden.

(NGZ/ac)