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Trickbetrug scheitert in Rommerskirchen: Apotheker vertreibt "Popo-Diebin"

Trickbetrug scheitert in Rommerskirchen : Apotheker vertreibt „Popo-Diebin“

Eine Frau kommt in die Apotheke und zieht sich die Hose runter, um auf angebliche Schmerzen aufmerksam zu machen. Von dieser Masche hatte Apotheker Markus Quodt schon gelesen. Mit diesem Trick kam eine vermeintliche Kundin vorigen Donnerstag in Nettesheim allerdings nicht weit.

Gelesen hatte Apotheker Markus Quodt schon mal von der Masche, mit der Trickdiebinnen in den vergangenen Monaten an das Geld aus Apothekenkassen gekommen sind: Eine Frau kauft etwas, zieht plötzlich die Hose runter, um auf angebliche Schmerzen aufmerksam zu machen. Wenn die abgelenkte Mitarbeiterin dann die Salbe holt, greift die „Popo-Diebin“ in die Kasse und verschwindet. Mit diesem Trick kam sie vorigen Donnerstag in Nettesheim allerdings nicht weit. „Das haben wir verhindert“, berichtet Quodt, der alle Kollegen vor diesem Diebstahltrick warnt.

„Das ist ein starkes Stück, dass sie diese Masche aus der Großstadt jetzt auch im kleinen, behüteten Rommerskirchen durchziehen“, sagt Quodt, der sich sicher ist, dass mindestens ein Mittäter beteiligt war. Denn eine Mitarbeiterin der Martinus-Apotheke nahm sofort mit dem Auto die Verfolgung der Diebin auf, konnte sie aber nach der nächsten Ecke nicht mehr entdecken.

Inhaber Markus Quodt schildert: „Die Dame kam nach 18 Uhr zu uns, also ungefähr zu der Uhrzeit, zu der auch die anderen Apotheken aufgesucht wurden, vielleicht geht sie davon aus, dass zu der Uhrzeit kein Chef mehr anwesend ist.“ Vorne stand tatsächlich nur eine Kollegin, eine weitere kam hinzu, erzählt der Apotheker. „Diese vermutete relativ schnell, was sich ereignen könnte.“ Die Frau kaufte einen Tee, dann sprach sie Rückenprobleme an, die Kollegin empfahl eine Creme gegen die Schmerzen, wollte das Präparat holen, als es geschah: „In der Sekunde kommt die Kundin um den Handverkaufs-Tisch herum und zieht blank, genauso wie in den anderen Apotheken.“ In diesem Moment ging die zweite Angestellte nach vorn und drängte die Kundin mit bestimmten Worten wieder vor den Tisch.

Quodt bemerkte die Auseinandersetzung, ging nach vorn – und sah in die geschockten Augen der Frau: „Viel mehr sah ich auch nicht von dem Gesicht der Dame. Sie trug ein Kopftuch, ein relativ großes Brillengestell und einen Mundschutz. Mehr als die dunkle Augenfarbe und die eher buschigen Augenbrauen konnte ich nicht erkennen.“ Sie verließ umgehend die Apotheke. Quodt rief die Polizei, konnte jedoch keine Anzeige erstatten, da der Diebstahl vor dem Versuch vereitelt wurde. Auch ein weiteres Belangen war nicht möglich: Für Erregung öffentlichen Ärgernisses, eine Ordnungswidrigkeit, die von Männern wie Frauen begangen werden könne, sei, so Kreispolizeisprecherin Daniela Dässel, eine „größere Öffentlichkeit“ erforderlich. Exhibitionismus hingegen sei eine sexuell motivierte Straftat.

Quodt sagt mit einem Augenzwinkern: „Immerhin sind wir die erste Apotheke, die mit Gewinn rausgegangen ist. Ihre fünf Cent Wechselgeld hat die Dame liegen gelassen.“