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Rommerskirchen: St. Martinus verkauft Pfarrhaus

Rommerskirchen : St. Martinus verkauft Pfarrhaus

Im 250 Jahre alten Pfarrhaus an der Martinusstraße soll es künftig Seniorenwohnungen geben. Denkmalschutz und hohe Renovierungen machten laut Monsignore Franz Josef Freericks den Verkauf unumgänglich.

Als vor gut einem Jahr Gemeindereferent Christian Albini mit seiner Frau Maria und den drei Kindern auszog, um eine neue Stelle in Grevenbroich anzutreten, war auch das Schicksal des historischen Pfarrhauses von St. Martinus de facto besiegelt.

Inzwischen hat der Kirchenvorstand Nägel mit Köpfen gemacht und das altehrwürdige Gebäude verkauft. Nach Auskunft von Matthias Schlömer, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands, sollen hier nun seniorengerechte Wohnungen entstehen.

"Man tut sich schwer, ein Objekt, das über Jahrhunderte hinweg Pfarrhaus gewesen ist, so einfach wegzugeben", sagt Monsignore Franz Josef Freericks. Die Grundsatzentscheidung, das Gebäude aufzugeben, habe jedoch seit drei Jahren festgestanden.

Zu einem Verkauf habe es letztlich keine Alternative gegeben: "Der Denkmalschutz und bauliche Notwendigkeiten haben uns keine andere Wahl gelassen", begründet der Geistliche den Schritt. "Wir hätten so viel renovieren müssen, dass wir es nicht hätten bezahlen können", sagt Freericks, der seit 1993 Pfarrer an St. Martinus ist. Dem Kirchenvorstand hätten "mehrere Angebote" vorgelegen, erzählt er.

Das Nettesheimer Pfarrhaus wurde um 1760 gebaut. 1818 wurde es bei einem Brand schwer beschädigt und bis 1823 wieder aufgebaut, zumindest die Außenmauern des zweigeschossigen Putzgebäudes wurden erhalten. Die akribisch geführten Unterlagen illustrieren, wie "sparsam" die Pfarrgemeinde St. Martinus mit ihren Pfarrern umgegangen ist. Angefangen von Johannes Düxmann, der von 1564 bis 1613 Pfarrer an St. Martinus war, bis hin zu Franz Josef Freericks waren es nur 23 Geistliche, die in dieser Funktion in Nettesheim gewirkt haben.

Wegen seiner Bedeutung für die Ortsgeschichte ist das Pfarrhaus schon vor Jahrzehnten unter Denkmalschutz gestellt worden, was den jeweiligen Eigentümern neben der Ehre stets auch mancherlei Einschränkungen und Auflagen beschert hat — von den finanziellen Konsequenzen ganz abgesehen.

Das 2004 vom Erzbistum Köln initiierte (Spar-) Projekt "Zukunft heute" spielte für die Entscheidung der Gemeinde St. Martinus keine Rolle. Hat "Zukunft heute" in vielen Pfarreien einigen Wirbel verursacht, sind die katholischen Christen am Gillbach "relativ ungeschoren" davon gekommen, wie Franz Josef Freericks sagt.

Zu den einschneidendsten Maßnahmen gehörte die Übergabe des Hoeninger Kindergartens an die Gemeinde Rommerskirchen, die auch das Personal mit übernommen hat. Wofür Franz Josef Freericks dankbar ist, "denn das ist keineswegs selbstverständlich".

(NGZ)