Musikevent in Rommerskirchen Blues vom Feinsten im alten Vierkanthof

Sinsteden · Bluesrock-Fans kamen im Kulturzentrum Sinsteden voll auf ihre Kosten. Beim 18. Festival mit dem Titel „Goin‘ to my Hometown“ waren wieder ausgesuchte Spezialisten am Start. Wer die Besucher diesmal begeisterte.

Beste Musik wurde in Sinsteden geboten.

Beste Musik wurde in Sinsteden geboten.

Foto: Wolfgang Walter

Wieder einmal hatten an diesem Tag alle großes Glück: Karin Wappenschmidt als einladende Leiterin dieses musikfreundlichen Kulturzentrums, Ulrich und Wilhelmine Weidenhaupt als Ideengeber dieser Musikreihe, die zahlreichen Besucher und nicht zuletzt die hochkarätigen Musiker selbst. Mit ihrem Gesang und mal behutsam, mal kräftig zupackendem Gitarrenspiel verzauberten sie für einen frühen Abend den ohnehin nicht an Faszination mangelnden fränkischen Vierkanthof.

Diese Musik ist und bleibt von einer anderen Welt. Es genügt jedoch bereits, sie im Süden Amerikas zu verorten. Beim Wort, genauer beim Ton genommen, drücken sich hier europafremde Lebensgefühle heraus, werden sie in Musik umgesetzt, ohne strenge Vorgaben der hierzulande dominierenden Klassik zu schonen. Und hierbei wird in Töne gesetzt, was im Tiefsten gefühlt wird.

Wundersam ist, wer in der Alten Welt, und das kann für Europa durchaus beim Wort genommen werden, sich in den vergangenen Jahren alles dem Bluesrock verschrieben hat. Sinsteden ist einmal im Jahr zur besten Sommerzeit der Treffpunkt für solche Akteure. Diesmal sind es erneut große Namen: Der Schwede Bottleneck John, die Steven-Troch-Band aus der belgisch-niederländischen Bluesszene sowie Vanesa Harbek aus Argentinien, eine Enkelin deutscher Auswanderer, die heute in Berlin lebt.

Dieses hämmernd-kraftvolle, unsäglich tieftraurige adaptierte Musizieren nach den Vorgaben der Südstaaten. Klänge und Rhythmen scheinen auf von unmittelbar-direktester Deutlichkeit. Sie sind das Geheimnis des künstlerischen Erfolgs solchen Aufspielens. Gekonnt werden technische Hürden überwunden, und skizziert das dreigeteilte Konzert das Fremde und doch so Vertraute. Bottleneck John imponiert bereits mit seiner Statur. Noch mehr Eindruck macht der von der Kritik als „einer herausragenden Vertreter des Blues in Europa“ mit seinen aufgeladenen Delta-Blues, Hokum und Spirituals. Intensiv, rau und temporeich, entspannt und emotional stehen bei Bottleneck alias Johan Eliasson im Fokus.

Leise, beinahe zart auf seiner Harmonika intonierend, so kommt Steven Troch daher. Der Ruf eines Bluesharp-Spielers eilt ihm voraus. Siege in Wettbewerben waren dem Ausnahme-Musiker nicht nur im belgisch-niederländischen Umfeld sicher. Auch beim international hochangesehenen Harmonica Blowout in Oakland heimste er eine Sieger-Trophähe ein. Absolut unwiderstehlich kam seine Mixtur rüber, die neben dem traditionellen auch den zeitgenössischen Modern-Harmonica-Blues einschloss. Matt T. Mahony (Gitarre), Liesbeth Sprangers (Bass, Gitarre) sowie Bernd Coene rundeten das fundierte Blues-Gesamtbild mit gekonntem Spiel ab.

Ganz der Akustik verpflichtet, trat im Vierkanthof die Vanesa-Harbek-Band au. Die Frontfrau wurde verstärkt durch Martin Engelien (Bass) und Dirk Brand (Schlagzeug). Einst wurde die Bandleaderin als „Argentinian Qeen of Blues“ tituliert. Wer sie in Sinsteden live erlebte, war damit einverstanden und erkor Vanesa Harbek ebenso und einmal mehr zur Königin des Blues.

Wieder einmal wurde an diesem Tag sicht- und hörbar, welch ein ungeheures Potenzial der Bluesrock bereithält. Aber auch, wie selbstverständlich es für seine Interpreten ist, Anregungen für den traditionellen Blues aus Richtung Soul und sogar Tango (Harbek) zu übernehmen. Der Eindruck trügt vermutlich nicht, dass schrittweise vor aller Augen zunehmend ein globaler Sound im Entstehen ist. Die drei Interpreten (-gruppen) bewegten sich jedenfalls genau in diese Richtung. Und Sinsteden ist ein famoser Konzertplatz für dieses Geschehen.

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