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Schwnd bei freilebenden Tieren

Schwund bei freilebenden Tieren : Immer weniger Tiere in freier Natur

Ob Hasen, Kaninchen, Kiebitze und andere (einst) bekannte Tiere: Der Rückgang ist unverkennbar.

Schon seit Jahren ist es für Jupp Kirberg (Bündnis 90/Die Grünen) augenfällig, dass es selbst in vermeintlich unversehrter Natur immer weniger einst dort heimische Tiere zu sehen gibt. Fasane und Feldhühner, aber auch Lerchen, Sperlinge und viele Eulenarten sind Kirberg zufolge kaum noch zu entdecken, Kiebitze sind ihm zufolge ganz verschwunden.

In seinen Bobachtungen stimmt Kirberg mit dem gleichfalls in Ramrath wohnenden SPD-Chef Johannes Strauch überein, dem das Verschwinden eigentlich vertrauter Tierarten ebenfalls schon seit längerer Zeit unangenehm auffällt. Was lag also näher als ein gemeinsamer Antrag von SPD und Grünen an den Rat, der dies morgen zu seinem Thema machen soll. Michael Stevens, Leiter der Biologischen Station des Rhein-Kreises Neuss in Knechtsteden, wird über den Rückgang der im Gemeindegebiet lebenden Tiere berichten und soll zugleich über Möglichkeiten beraten, „der erkennbaren Verarmung entgegenzuwirken“, wie es in dem Antrag heißt.

Ein Faktor, der zum Verschwinden vieler freilebender Tiere beigetragen hat, ist für Kirberg die „veränderte Landwirtschaft, die den Lebensraum verschlechtert hat“.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen bedauert, dass es Programme, die diesen Trend bekämpfen wollen, wohl bei der früheren rot-grünen Landesregierung, nicht aber bei deren Nachfolgerin gebe. Seiner Auffassung nach gibt es etliche Möglichkeiten, gegenzusteuern, vordringlicher ist es aus Kirbergs Sicht indes, mit der Landwirtschaft ins Gespräch zu kommen.

Kirberg, der seit 20 Jahren in Ramrath lebt, bezieht sich für seine Beobachtungen gern auf diesen Zeitraum. Für Michael Stevens muss dieser allerdings noch weiter gefasst werden. Der Rückgang freilebender Tiere erfolge schrittweise „mit der Einführung von synthetischem Dünger in den 1960-er Jahren“, sagt Stevens. Kirbergs Befund ergänzt er durch ein für die Region sicherlich schlagendes Exempel: :„Im Rhein-Kreis Neuss ist die Grauammer fast ausgestorben“, sagt Stevens. Neben der Intensivierung der Landwirtschaft, Pflanzenschutz und einer Überdüngung der Felder gehöre zu den Ursachen auch die Tatsache, dass „die Felder heute komplett abgeerntet werden“, wie Stevens sagt. Viel könne schon helfen, wenn freie Streifen stehen blieben, von denen die Tiere sich ernähren könnten. Wichtig sei nicht zuletzt die Feldflur an den Wegrändern, wo die Feldfrucht links und rechts 50 Zentimeter stehen bleiben könnte.

Auch wenn die Landwirtschaft ein wichtiger Faktor sei, „so etwas hat immer mehrere Ursachen“, betont der Diplom-Biologe. Auch im eigenen Hausgarten lasse sich dem Rückgang der Tiere entgegen wirken, was freilich nicht „mit einem Steingarten und einem Buchsbaum geht“, so Stevens.

Nur ein Beispiel: Geschützte Zonen auch im eigenen Garten könnten beispielsweise darin bestehen, Kräuter den Winter über stehen zu lassen, in deren abgestorbenen Halmen bestimmte Insektenarten überwintern. Weiter Ratschläge und Tipps sind sicherlich bei seinem Vortrag morgen Abend im Gemeinderat zu erwarten.