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Rommerskirchen: Schwacher Start fürs Zentrum

Rommerskirchen : Schwacher Start fürs Zentrum

2014 will die Zentrumspartei zur Kommunalwahl in Rommerskirchen antreten. Um von ihren Plänen zu berichten, hatte die Partei in die Gaststätte "Zum kühlen Grunde" zu einer Infoveranstaltung geladen. Mit mäßigem Erfolg.

Gerhard Woitzik (83) sitzt an der Kegelbahn der Gaststätte "Zum kühlen Grunde" und spricht über die "Zelle". Das klingt konspirativ, doch der Bundesvorsitzende der Zentrumspartei will natürlich keine terroristische Untergrundgruppe gründen, sondern einen Ortsverein in Rommerskirchen. Gekommen von der "Zelle", die bis zur Kommunalwahl 2014 zu einer politischen Kraft heranwachsen soll, ist zur anberaumten Informationsveranstaltung allerdings niemand. "Der Leithirsch ist am Knie operiert worden", sagt Woitzik. Und wenn einer nicht kommt, dann kommen eben die anderen auch nicht.

Gerhard Woitziks Augen und Wangen leuchten jetzt ein wenig vor Stolz

Und so sitzt neben Woitzik und dem Kreisvorstand der Partei — der hatte zuvor getagt — nur ein interessierter Gast: selbst 30 Jahre in anderen Parteien aktiv und nach eigenen Worten "politikverrückt".

Die Laune lässt sich Gerhard Woitzik dadurch nicht vermiesen. Er trommelt für den Vorstoß der Partei in der Gemeinde. "Wir wollen in Rommerskirchen den Fuß in die Tür kriegen", sagt er und bestellt "noch'n Kakao", bevor er von den Erfolgen der Vergangenheit berichtet. Davon, wie er 1961 in Dormagen die Zentrumspartei etablierte und zunächst der SPD die Stimmen abjagte, gar nicht der CDU, wie jetzt alle denken. Dort will er auch in Rommerskirchen anknüpfen. Mit zwei Interessenten sei er bereits verabredet, zwei weitere hätten das Parteiprogramm angefordert.

Gerhard Woitziks Augen und Wangen leuchten jetzt ein wenig vor Stolz. Dann lässt er sich zu einem Satz hinreißen, an dem er sich wird messen lassen müssen: "Rommerskirchen wird eine leichte Sache." Er hofft auf den Schneeballeffekt. Jeder Zentrums-Interessent bringt ein bis zwei neue Interessenten mit und so weiter. 16 Wahlbezirke will Woitzik besetzen, 150 Unterschriften dafür sammeln.

Der schwere Tisch, die backsteinernen Wände — das Bild erinnert ein wenig an die Ritter der Tafelrunde, und Gerhard Woitzik gibt den unverwüstlichen König Artus. Dabei hat das Zentrums-Urgestein eine schwere Zeit hinter sich. Ein Machtkampf zwischen ihm und dem Landesverband Baden-Württemberg landete vor dem Landgericht Düsseldorf. Es ging um die Frage, ob Woitzik der rechtmäßige Bundesvorsitzende ist. Auf einer Mitgliederversammlung war es zum Eklat gekommen. Versammlungsleiter Ewald Jaksch hatte sich in einer Parallelveranstaltung zum Chef wählen lassen. Woitzik selbst spricht von einem "Störfeuer". Unter dem Nicken seines Kreisvorstands sagt er schließlich, dass die Ausrichtung der Partei seit ihrer Gründung nicht verwässert wurde. "Die zehn Gebote haben sich bis heute auch nicht geändert."

(NGZ)