Schulbusverkehr in Rommerskirchen ist problematischer als gedacht

BVR im Rommerskirchener Rat : Mehr Probleme mit dem Schulbusverkehr als bisher bekannt

Das von manchem erwartete „Scherbengericht“ über den Busverkehr Rheinland (BVR) blieb zwar aus, dennoch hatte Michael Perschke im Rat keinen leichten Stand. Anderthalb Stunden lang wurde der Vertreter des BVR jetzt von Ratsmitgliedern und genervten Eltern zu Problemen im Schulbusverkehr befragt.

Die waren an den ersten Schultagen diesmal in lange nicht gekannter Heftigkeit „aufgeploppt“, was gut zwei Dutzend Eltern zur Ratssitzung lockte, für die die Befragung des BVR-Vertreters angekündigt worden war. „Es sind zu viele Ausfälle in den ersten Tagen passiert“, räumte Perschke ein. Ursache sei „ein Unternehmer“ gewesen, „der sich nicht an seinen Vertrag gebunden fühlte“, sagte der BVR-Vertreter, der sich für die ausgebliebenen Busse ausdrücklich bei den Eltern entschuldigte.

Michael Perschke vom Busverkehr Rheinland . Foto: Blazy, Achim (abz)

Probleme gibt es Michael Perschke zufolge „grundsätzlich immer am Anfang des Schuljahrs“. Die genaue Zahl der Schüler sei dem BVR und den Busunternehmen dann ebenso noch nicht bekannt wie der Stundenplan, wobei durch die Rückkehr von G 8 zu G 9 inzwischen auch „mehrere Schulschlüsse“ hinzu kämen. Deutlich wurde auch, dass die Gemeinde selbst mit Ausnahme kontinuierlichen (politischen) Drucks keine direkten Einflussmöglichkeiten, geschweige denn Entscheidungsbefugnisse hat. Der BVR erhält seine Konzession nämlich vom Schulträger, im konkreten Fall also von den Nachbarstädten Dormagen und Grevenbroich sowie Knechtsteden als privatem Träger.

Auf dieser Basis nimmt der BVR Busunternehmen als Subunternehmer unter Vertrag, die freilich keinen Schülerspezialverkehr in „reinen“ Schulbussen betreiben, sondern den Schülertransport im Rahmen des Linienverkehrs abwickeln.

Genügend eigene Busse, um dies gewährleisten zu können, hat der BVR nicht. Auch gibt es keine Möglichkeit, bei Ausfällen gleichsam flächendeckend Ersatzbusse bereit zu halten: „Das können wir uns nicht leisten. Geld erhält der BVR nur für fahrende Busse“, sagte Perschke.

Je länger die Fragerunde dauerte, desto deutlicher zeigte sich, dass es offensichtlich keineswegs nur auf der schon in der Vergangenheit viel kritisierten Linie 879 Probleme gibt, deren „Unzuverlässigkeit ins Auge fallend ist“, wie Dezernent Elmar Gasten sagte. Auch auf der zwischen Dormagen und Vanikum verkehrenden Linie 871 „kriselt“ es. Die soll nach langem Ringen der Gemeinde mit dem BVR inzwischen auf dem Bahnhofsgelände halten, macht ihren Stopp nach Aussage einer Mutter jedoch nach wie vor an der Haltestelle vor dem ehemaligen Postgebäude. Auch mehrere Hinweise auf die geänderte Haltestelle habe der Fahrer ignoriert, klagte die Eckumerin.

Viel diskutiert wurde eine mögliche Informationskette, an deren Ende die Gemeinde bzw. der BVR überhaupt Kenntnis von Zwischenfällen und Missständen erhalten würde. Dass es hieran bislang hapert, war offensichtlich, wobei eine von Thomas Gulentz vom Verein „Siri4Roki“ ins Gespräch gebrachte App eine Möglichkeit sein könnte, dem BVR umgehend Meldungen zukommen zu lassen.

Eine andere sind Gespräche mit den Schulträgern, wie Bürgermeister Martin Mertens angesichts des unentwirrbarr scheinenden Problemknäuels sagte.