Rommerskirchen: Rommerskirchener (17) taucht ohne Erinnerung in Dortmund auf

Rommerskirchen: Rommerskirchener (17) taucht ohne Erinnerung in Dortmund auf

Der Jugendliche ohne Gedächtnis konnte recht schnell identifiziert werden. Dennoch bleiben Fragen offen.

Die Identität eines 17-jährigen Rommerskircheners, den seine Eltern am Montag als vermisst gemeldet hatten, konnte vergleichsweise schnell geklärt werden. Bis auf weiteres blieben jedoch viele Fragen offen.

Um 13 Uhr hatte der Jugendliche am Montag die Wohnung in Rommerskirchen verlassen, um zur Schule nach Dormagen zu fahren. Dort tauchte er jedoch nicht auf. Etliche Stunden später wurde er, 100 Kilometer entfernt, auf einer Polizeiwache im Dortmunder Stadtteil Aplerbeck vorstellig: "Er wisse nicht, wo er sich befinde, und auch nicht, wer er sei, gab der junge Mann an", teilte die Polizei zunächst mit.

Der Jugendliche habe keine Verletzungen aufgewiesen. Weder Geld noch ein Handy führte er mit sich, als er die Polizeiwache betrat. Um den Hals trug der 17-Jährige nach Polizeiangaben einen Ring, dessen Innenseite mit verschieden deutbaren Initialen versehen war.

Mit einer Einverständniserklärung des jungen Mannes veröffentlichte die Dortmunder Polizei gestern ein Foto von ihm, das auch auf Facebook kursierte.

Nur etwa eine halbe Stunde später gab es den ersten Hinweis, der bereits die Identität des Jugendlichen klären konnte.

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Unklar bleibt dennoch manches: Wie und wieso ist er überhaupt ins mehr als 100 Kilometer Dortmund gefahren? Worauf ist sein Gedächtnisverlust zurückzuführen?

Wie die Dortmunder Polizeisprecherin Nina Vogt gestern mitteilte, verbrachte der Rommerskirchener die Nacht auf Dienstag in einem Dortmunder Krankenhaus. Dort stellten die Experten bei ihm eine sogenannte retrograde Amnesie fest. Dabei handelt es sich um eine spezielle Form des Gedächtnisverlustes, für die ein Schädel-Hirntrauma zu den häufigsten Ursachen zählt, wie Professor Jan Sobesky. Chef der Neurologie am Johanna-Etienne-Krankenhaus in Neuss, erläutert.

Insbesondere bei jungen Leuten könne aber auch Drogenkonsum oder ein psychischer Schock als Ursache für eine retrograde Amnesie in Betracht kommen.

Betroffene können sich nicht nur an das Ereignis selbst nicht mehr erinnern, auch ein mehr oder weniger großer Zeitraum, der ihm vorangegangen ist, entzieht sich der Erinnerung. Der Mediziner nennt ein leicht verständliches Beispiel: Wer mit dem Fahrrad stürzt, kann sich weder an den Sturz, noch daran erinnern, dass er überhaupt Rad gefahren ist. Die Dauer einer retrograden Amnesie ist unterschiedlich: Der "Klassiker" ist nach den Worten von Professor Sobesky, dass eine solche Gedächtnisstörung "Minuten bis wenige Stunden" anhalte. Im Extremfall kann die Störung aber auch etliche Jahre anhalten, wie Jan Sobesky sagt.

Erst vergangenen Sommer hatte ebenfalls in Dortmund der Fall eines 57-Jährigen für Aufsehen gesorgt. Die Bundespolizei hatte ihn in einem abgestellten Zug gefunden. Er war verwirrt und gab sich als König Ludwig von Bayern aus. Erst nach drei Tagen konnte seine Identität geklärt werden.

(jasi/S.M.)