Rommerskirchen: Verein Heimat+Historie NE-BU 962 bewahrt das Platt

Neue Broschüre in Rommerskirchen : Heimat+Historie bewahrt das Platt

Verein aus Nettesheim/Butzheim hat neue lesenswerte Broschüre herausgebracht.

Walter Giesen schneidet einen „Remmel“ vom „Weck“ ab, streicht dick „joode Botter“ darauf, ehe er diese anschließend mit einer Schicht von herrlichem „Kruck“ bedeckt. Durch Giesens praktische Vorführung am Freitagmittag im kleinen Saal der Gillbachschänke hätte das auch jeder verstehen können, der des Gillbacher Platts nicht mächtig ist: Da wird eine dicke Scheibe Brot mit guter Butter geschmiert und obendrauf, quasi als Krönung, kommt ordentlich leckeres Zuckerrüben- oder Apfelkraut. Die 31 Mitglieder des im März 2017 gegründeten Vereines „Heimat+Historie NE-BU 962“ – die meisten sind älteren Jahrgangs – brauchen den Anschauungsunterricht ihres 2. Vorsitzenden nicht, obwohl allein in Nettesheim-Butzheim mindestens zwei Varianten Platt bekannt sind, wie die Heimatforscher herausgefunden haben.

Und zwar bei den Recherchen für die dritte Broschüre, die der Verein „Heimat+Historie“ (in einer Zahl von 1000 Exemplaren, die nun in der Gemeinde verteilt werden) herausgebracht hat. Themen: „Butzemer und Netzemer“ Platt sowie „Beinamen, Spitznamen, Verzällcher“. Zahlreiche Gedichte, Episoden und eine Vielzahl „wahrer Geschichten, die frei erzählt werden“ (Walter Giesen) finden sich in dem mit herrlichen alten Fotos versehenen Büchlein. „Heutzutage gibt es kaum noch ein Kind in Rommerskirchen, das Platt sprechen oder verstehen kann“, bedauert Bürgermeister Martin Mertens. Dabei könne gerade dadurch ein Gefühl von Heimat ausgedrückt und empfunden werden. Es sei wichtig, dass der Verein die heimische Mundart bewahren helfe. „Sonst ist sie irgendwann ausgestorben.“

Ähnliches gilt für die in der Broschüre verewigten Spitz- und Beinamen, die an bekannte Butzheimer und Nettesheimer, darunter einige Originale, erinnern. Wie zum Beispiel „De Himmelshöhner“, die unverheirateten Schwestern Cäcilia und Christina Schmitz, die für ihre besondere Frömmigkeit bekannt waren.

Peter Emunds, der 1. Vorsitzende von „Heimat+Historie“, lobte unterdessen seine Mitstreiter, denen er herzlich für ihren Einsatz dankte, etwa bei zahlreichen Gesprächen mit älteren Einwohnern, die manche Geschichten beisteuern konnten. „Fast alle Vereinsmitglieder haben etwas zu dem Heft beigetragen“, sagte Emunds. Finanziell gefördert wurde das Projekt vom NRW-Heimatministerium.

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