Rommerskirchen: Sorge um die Natur am Gillbach

Naturschutz in Rommerskirchen : Sorge um die Natur am Gillbach

Biologen thematisierten im Dorfcafé in Widdeshoven den Artenrückgang im Wasser und an Land. Ihre Bestandsaufnahme zeigte ein alarmierendes Bild.

Gegen die schlechte Wasserqualität, den Artenrückgang und die intensive Landnutzung habe punktuelles Gegensteuern einen schweren Stand. „Natur- und Artenschutz sind aus der öffentlichen Debatte nicht mehr wegzudenken“, so eröffnete Bürgermeister Martin Mertens die Veranstaltung „Flora und Fauna am Gillbach“.

Dieses kleine Gewässer hat große Bedeutung für die Gemeinden entlang seiner 30 Kilometer von der Quelle bis zur Mündung in die Erft. Den ökologischen Zustand des Bachs, um den es nicht zum Besten steht, beschrieb Udo Rose vom Erftverband. Michael Stevens, Leiter der Biologischen Station im Rhein-Kreis Neuss in Knechtsteden, widmete sich Feldhase, Wachtel und Co. Auch sein Bericht stimmte die naturbewegten Besucher im Dorfcafé nicht froh. Norbert Grimbach, pensionierter Lehrer und ausgewiesener Naturschützer, war lange verschollenen Blumen auf der Spur, die überraschend wieder aufgetaucht sind. Dass andererseits eine Menge Wildpflanzen auf Feldern und Weiden keine Bleibe mehr finden, verschwieg er nicht.

„Der Gillbach ist ein besonderes Gewässer“, betonte Udo Rose. Mittlerweile sind seit 2000 an neun Stellen renaturierte Strecken angelegt worden, die regelmäßig kontrolliert werden. Dabei pendelt der Status zwischen „stark verändert bis verschlechtert“. Lebensräume für einen typischen Bachbewuchs sind geschaffen worden, und in die Populationen wirbelloser Tiere ist Bewegung gekommen. „Aber das reicht bei Weitem nicht“, mahnt Rose.

Nicht viel besser sieht es an Land gleich neben dem Gillbach aus. Michael Stevens: „Nur gemeinsam mit der Landwirtschaft können wir erreichen, dass Feldhase und Wachtel sichere Lebensräume besitzen.“ Geschützte Uferrandstreifen verhelfen dazu, konstante Begrünung, aber auch strikter Vertragsnaturschutz. Wenn bei diesen Punkten nicht beherzt zugepackt werde, sähe es für die stark bedrohten Wildtiere anhaltend mau aus. Große Aufmerksamkeit widmete Stevens dem selten gewordenen Feldhamster. Mit einem „Feldhamster-freundlichen Anbau“, also mit sichernder Deckung bietendem Ackerbewuchs, wäre schon eine Menge gewonnen. Dabei ergäben sich zugleich Synergie-Effekte für die ebenfalls in ihrem  Bestand bedrohten Feldhasen, Lerchen und Grauammern.

Norbert Grimbach berichtete vom uralten Siedlungsgebiet am Gillbach. Heute gelten vor Kurzem noch als Unkraut verfemte Wildkräuter vielfach als bewahrenswerte biologische Schätze. Beim Ziehen von Gräben zum Verlegen von Glasfaserkabeln, berichtet der Biologe, sei Erdreich aus tieferen Schichten freigekommen. Und damit seien wieder Samen von Pflanzen zum Keimen gekommen, die schon in Urzeiten genutzt wurden, aber heute selten geworden sind.

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