Schützenwesen in Rommerskirchen Finanzamt verlangt von Schützen Neuwahl

Sinsteden · Das neue Führungsmodell der St. Maternus-Bürgerschützen entspricht nicht den gesetzlichen Vorgaben. Aktuell hat der Verein aus der Sicht des Finanzamts damit keinen geschäftsführenden Vorstand mehr.

 Knapp ein Vierteljahr nach dem Schützenfest eskaliert die Führungskrise bei den St. Maternus-Bürgerschützen.

Knapp ein Vierteljahr nach dem Schützenfest eskaliert die Führungskrise bei den St. Maternus-Bürgerschützen.

Foto: Dieter Staniek

Seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 5. Juli wird der St. Maternus-Bürgerschützenverein 1897 noch in diesem Monat eine weitere folgen lassen müssen. Hierfür hat nach Informationen der NGZ das Finanzamt Grevenbroich den Schützen bis zum 30. August eine Frist gesetzt. Das neue Führungssystem, das sich die Schützen Anfang Juli per eilends vollzogener Satzungsänderung geben wollten, erkennt das Finanzamt offensichtlich nicht an.

Aktuell hat der Verein aus der Sicht des Finanzamts damit keinen geschäftsführenden Vorstand mehr. Der bisherige Präsident Peter-Josef Möhlen und seine Vorstandskollegen waren am 5.Juli entlastet worden und sind auch kommissarisch nicht mehr im Amt.  Der Verein könnte nun in eine regelrechte Existenzkrise schlittern, wenn es nicht gelingt, bis zu dem genannten Termin ein neues Führungsteam zu finden: Ohne geschäftsführenden Vorstand müsste er nämlich über kurz oder lang aufgelöst werden, wobei das Vermögen, soweit vorhanden, an die Gemeinde ginge. Anfang Juli hatten sich die Mitglieder für ein neues Führungsmodell entschieden, das sich nicht mit dem klaren Wortlaut des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) vereinbaren lässt.

Auch wenn die St. Maternus-Bürgerschützen kein eingetragener Verein im Sinne des BGB sind, gelten dessen Regelungen gleichwohl analog. So etwa im Fall des vom Finanzamt verlangten geschäftsführenden Vorstands und seiner Mitglieder als persönlichen Ansprechpartnern. Der Vorstand müsste von der Mitgliederversammlung als höchstem Vereinsgremium bestimmt werden. „Die Bestellung des Vorstandes erfolgt durch Beschluss der Mitgliederversammlung“, heißt es hierzu in Paragraph 27 des BGB ebenso lapidar wie unmissverständlich. Ebenso eindeutig ist die Regelung in Paragraph 26: „Der Verein muss einen Vorstand haben. Der Vorstand kann aus mehreren Personen bestehen.“

Das neue Führungsmodell, auf das die Schützen sich Anfang Juli nach eilends vollzogener Satzungsänderung verständigt hatten, sieht dagegen vor, die Mitgliederversammlung künftig lediglich die Züge bestimmen zu lassen, die dann verschiedene Geschäftsbereiche in eigener Regie besetzen. Die intern benannten Mitglieder sollten dann  als Vorstandsmitglieder des Vereins und Ansprechpartner fürs Finanzamt gelten.

Konkret sah dies zuletzt so aus, dass das Tambourkorps den Vorsitzenden und die Schriftführung stellen sollte. Dem 1. Marinezug war die Geschäftsführung zugedacht, den „Sinster Jonge“ die Finanzen. Keinen Geschäftsbereich mochte der Marinezug „Gorch Fock“ wahrnehmen. Da kein Zug für eines der „Geschäftsfelder“ kandidieren wollte, fiel die Entscheidung in der Alten Schule sogar per Los.

„Pöstchenjägerei“ lässt sich den Schützen nur schwer vorwerfen, was die nötige Neuwahl nicht eben erleichtert.

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