Rommerskirchen: Pläne für "geflügeltes Klassenzimmer"

Rommerskirchen: Pläne für "geflügeltes Klassenzimmer"

Der Wissenschaftliche Geflügelhof in Sinsteden untersucht, wie vom Aussterben bedrohte Rassen bewahrt werden können. Geflügelhalter können hier auch Eier fachgerecht ausbrüten lassen. Hilfen gibt es zudem für Schulen und Kitas.

Können aus Hühnereiern, die in Supermärkten erhältlich sind, Küken schlüpfen? Eigentlich nein, meint Mareike Fellmin, seit Juli 2017 die Leiterin des Wissenschaftlichen Geflügelhofs in Sinsteden. Dies hindert sie jedoch nicht, rechtzeitig zu Ostern die Probe aufs Exempel zu machen, wie in dieser Woche bei Stern-TV zu sehen war. Restlos auszuschließen ist dies nämlich nicht.

Die Vorgeschichte: Eine Kundin hatte eine normale Sechser-Packung Eier im Supermarkt gekauft, diese drei Wochen lang in die Brutmaschine gelegt, und am Ende war tatsächlich ein Küken geschlüpft. "Das geht natürlich nur, wenn es sich um ein befruchtetes Ei gehandelt hat", sagt Mareike Fellmin. Und befruchtet worden sein kann es halt nur, wenn ein Hahn inmitten der Legehennen gelebt hat - was selten ist, aber durchaus vorkommt. Für die Verbraucher ist dies irrelevant, "denn auch befruchtete Eier kann man ohne weiteres essen", sagt die promovierte Verhaltensbiologin.

Insbesondere bei Bioeiern sind die Chancen deutlich größer, dass schon mal ein befruchtetes Ei "durchrutscht"- wobei es dann aber noch seltener ist, dass es auch tatsächlich ausgebrütet wird. In Sinsteden liegen nun drei Wochen lang Eier, die bei sechs verschiedenen Lebensmittelketten gekauft wurden, im Brutkasten. Wenige Tage vor dem 20. April wird sich dann zeigen, ob tatsächlich ein Küken schlüpft.

Gebrütet wird in Sinsteden momentan sehr intensiv. Was durchaus auch mit Ostern zusammenhängt: Für eine Kinderfreizeit auf Schloss Benrath wurden etliche Küken ausgebrütet. Was Mareike Fellmin zufolge noch nicht jeder weißt "Bei uns kann jeder gegen einen kleinen Obolus Eier ausbrüten lassen", sagt sie. Insgesamt wird diese Möglichkeit "sehr gut in Anspruch genommen. Wöchentlich kommen Leute zu uns". Dafür, dieses Angebot anzunehmen, gibt es etliche gute Gründe, denn nur bei absolut fachgerechtem Umgang mit den auszubrütenden Eiern gedeihen diese soweit, dass die Küken auch tatsächlich schlüpfen können. Nicht zuletzt Kindergärten im gesamten Kreisgebiet bis hin nach Düsseldorf gibt der Wissenschaftliche Geflügelhof hier wichtige Hilfestellungen. Mareike Fellmin hofft, dass es noch in diesem Jahr gelingt, das "Geflügelte Klassenzimmer" in Betrieb zu nehmen, das insbesondere für Grundschüler gedacht ist, die dann die Eier im Schaubrüter selbst durchleuchten oder unters Mikroskop nehmen können.

Aktuell gilt das wissenschaftliche Interesse nicht zuletzt der Frage, wie sich die Legeleistung alter Rassen wie des Deutschen Sperbers und des Deutschen Reichshuhns steigern lässt, um sie damit vor dem Aussterben zu bewahren. Hier lasse sich bei Züchtern inzwischen ein anderes Bewusstsein feststellen, ist sie überzeugt, "und das ist genau das, was wir wollen", sagt die Leiterin des Wissenschaftlichen Geflügelhofs. Ihr Tipp in Sachen Ostereier: Wer sie noch nicht kennt, sollte einmal Eier von Zwerghühnern probieren, "sie schmecken anders und besser", lautet ihre Empfehlung.

(NGZ)