Auftritt in Rommerskirchen Martin Zingsheim begeistert im Kulturcafé

Rommerskirchen · Der Kabarettist Martin Zingsheim ist jetzt beim Kulturcafé in Rommerskirchen aufgetreten. Bei seinem Auftritt bewies er Gespür für sein Publikum – und sein Improvisationstalent.

Martin Zingsheim bei seinem Auftritt in Rommerskirchen. In seinem Programm ging’s ums Gendern – und um viele andere gesellschaftliche Debatten.

Martin Zingsheim bei seinem Auftritt in Rommerskirchen. In seinem Programm ging’s ums Gendern – und um viele andere gesellschaftliche Debatten.

Foto: Judith Michaelis (jumi)

Zugetragen hat sich das „Ereignis“, denn darunter macht es dieser wortgewaltige Alleinunterhalter aus Köln nicht, im Gemeindehaus der evangelischen Kirche am Grünweg. Doch die Protestanten dort schätzen ihr Kabarett seit 32 Jahren. Der promovierte Zingsheim passt mit seiner Deutlichkeit haargenau in die Reihe seiner vielen Vorgänger. „Aber bitte mit ohne“, was ist das denn schon wieder für eine „rot-grün versiffte Weltverbesserung“? Die Frage stellt der völlig unerschrockene Wortkünstler selbst in den Raum. Und dann prasseln seine Bekenntnisse, Erfahrungen und Schlussfolgerungen auf das aufmerksame Publikum.

Für alle ist es „eine besondere Veranstaltung“, denn sie findet seit über drei Jahrzehnten zwar unter der bewährten Ägide der Gründer des Kulturcafés statt. Doch es ist für sie am Freitag das letzte Mal. Thomas Spitzer und Walter Gruber hören auf. Doch es wird weitergehen, so bekundete Torben Golly, „denn unsere Kirche nimmt auch ihren Kulturauftrag engagiert wahr“. Für ihre großen Verdienste dankte der Pfarrer den beiden Gründern sehr.

Doch davor gehörte die Bühne mit einem Klavier Martin Zingsheim ganz allein. Er hat die Zeit genutzt und das Publikum nicht nur erheiternd unterhalten, sondern ihm auch unverblümt den Spiegel vorgehalten. Dabei kehrte er durchgehend den Weltverbesserer heraus, doch die dazu eigentlich in der Öffentlichkeit Berufenen ließ der Wortkünstler und Musikant nicht ungeschoren. „Immer weniger von allem – aber davon mehr“ ist solch ein Merksatz, der die Plünderung des Planeten durch uns alle aufs Korn nimmt. Jeder produziere jährlich 462 Kilogramm Hausmüll und an den Airports drängelten sich zur selben Zeit 120 Millionen Fluggäste.

Starker Tobak sind solche Sentenzen mit ihrem wahren Kern: „Früher reichte ein Stück Seife für ein ganzes Leben. Und es war sogar unverpackt.“ Oder: „Lasst den entwaffnend ehrlichen Kindern mehr Zeit.“ Laufend improvisiert Zingsheim. Er testet dabei, was für ein Publikum er vor sich hat, und dann geht er entweder weiter wie geplant, oder er nimmt sich lächelnd zurück.

Der Unfug des Genderns ist für ihn ein gefundenes Fressen. „Im nächsten Jahr spielen Kindernamen keine Rolle mehr.“ Dann ist alles erlaubt, alles möglich. Bei Alexa müsse man das Geschlecht erraten. Hochaktuell: „Wir haben jetzt einen Babysitter. Doch den lassen wir nicht aus den Augen.“ Noch aktueller: „Unsere Mädchen werden heute öfter Fußball-Weltmeister als die Männer.“ Das bekümmert die deutsche Männerseele. Der rowdyhafte Straßenverkehr spielte eine Rolle. Auch die Religion, bei der Zingsheim vermutete; Frau Kässmann sei die Lebensgefährtin von Martin Luther. An diesem Abend ließ der Comedian nichts aus.

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