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Rommerskirchen: Kulturzentrum setzt Ausstellungsreihe zu Todsünden fort

Ausstellung in Rommerskirchen : Facetten der Eitelkeit in Sinsteden

Das Kreiskulturzentrum setzt seine Ausstellungsreihe zu den sieben Todsünden fort. Die in drei Themenbereiche gegliederte Schau „Superbia“ wird am Sonntag, 12. Juli, um 14 Uhr eröffnet.

Fake-News sind keine Erfindung der Neuzeit oder des amerikanischen Präsidenten. Einen Beleg dafür liefert die neue Ausstellung im Kreiskulturzentrum Sinsteden mit dem Titel „Superbia – Im Labyrinth des Hochmutes und der Eitelkeit“, mit der die Einrichtung ihre Reihe zu den sieben Todsünden fortsetzt. In der Schau ist ein großes Ölgemälde von Jaques-Louis David aus dem Jahre 1800 zu sehen; es zeigt Napoleon bei der Überquerung der Alpen. Der Feldherr mit wallendem roten Umhang zeigt eine Triumphgeste und sitzt im Sattel eines schneeweißen, sich aufbäumenden Pferdes – ein eindrucksvolles Motiv und eine Demonstration der Stärke. Doch Kathrin Wappenschmidt relativiert den imposanten Eindruck. „Das Bild ist eine Auftragsarbeit. Es ging Napoleon um eine positive Selbstdarstellung. In Wirklichkeit hat er die Alpen wohl mit Maultieren überquert“, erzählt die Leiterin des Kreiskulturzentrums Sinsteden mit einem Schmunzeln.

Das Napoleon-Bild gehört zu der Reihe der Porträts zum Thema Eitelkeit und Hochmut, einem der drei Teile, in die die Ausstellung gegliedert ist. Die beiden anderen widmen sich dem Kunstbereich der Totentänze sowie der Sparte „Wettstreit in der Kunst“. Eine interessante Ergänzung hat Manuela Broisch-Höhner beigetragen. Die Archäologin, die sich seit Januar mit der Digitalisierung der archäologischen Bestände des Kreiskulturzentrums beschäftigt, wählte aus diesem Fundus unter anderem Schmuckstücke für eine Vitrine aus. Die Besonderheit: All’ diese Exponate wurden bei Ausgrabungen auf Rommerskirchener Gebiet gefunden.

Um die Bedeutung der in der Ausstellung gezeigten Bilder mehr als oberflächlich zu verstehen, bedarf es einiger geschichtlicher und kunstgeschichtlicher Kenntnisse. Die wichtigsten Erläuterungen liefert das Museum auf großen, gut leserlichen Schautafeln. Wer jedoch etwas tiefer einsteigen will, sollte die zehn Euro für einen Katalog investieren (siehe Info). Bei der Lektüre erfährt der Leser zahlreiche Hintergründe zu der Schau und den präsentierten Werken, was nicht nur den Horizont erweitert, sondern auch die Freude am Betrachten erhöht.

„Das Primat der Eitelkeit ist ihre Vergänglichkeit und Nichtigkeit“: Dieser Satz ist dem Katalog vorangestellt; er verweist auf das Thema der „Vanitas“, das sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung zieht. Sei es bei den Totentänzen (unter anderem mit sehenswerten Werken des englischen Malers Thomas Rowlandson, der den Schrecken des Todes in seinen Darstellungen auf geradezu satirische Art und Weise bricht, mit Drucken von Holzschnitten Hans Holbeins des Jüngeren sowie mit modernen Radierungen von Horst Janssen), sei es bei den Porträts, aus denen das Selbstbildnis der Marie-Geneviève Bouliar von 1794 als Aspasia aufgrund seiner Vielschichtigkeit heraussticht.

Zum Thema Eitelkeit gehört auch der Wettstreit der Künste, der in vielen Zeitaltern ausgetragen wurde. Das Kreiskulturzentrum widmet sich dem zwischen Michelangelo und Leonardo da Vinci, den 1500 in Florenz der Regent Gonfaloniere della Giustizia Pero Soderine angefacht hatte – und der letztendlich zum Scheitern verurteilt war, weil sich beide offenbar stark unter Druck gesetzt fühlten. Den modernen Bereich decken zwei Werke des Fotokünstlers Horst Wackerbarth ab, der besonders durch sein „Rotes Sofa“ bekannt wurde.

Die Ausstellung im Kreiskulturzentrum Sinsteden (Grevenbroicher Straße 29) ist die fünfte aus der vor rund zehn Jahren begonnenen Reihe zu den sieben Todsünden. Noch nicht behandelt wurden die Todsünden Gier und Wollust, die aber zu einem späteren Zeitpunkt auch noch beleuchtet werden sollen.

Die aktuelle Schau wird am Sonntag, 12. Juli, um 14 Uhr eröffnet und läuft voraussichtlich bis zum 27. September – sofern es coronabedingt nicht zu einer Verlängerung kommt. Der Eintritt ins Kreiskulturzentrum ist seit geraumer Zeit frei, außer bei Sonderveranstaltungen.