Rommerskirchen: Gemeinde will keine „Steingärten“ mehr

Vorgärten in Rommerskirchen : Gemeinde will keine „Steinwüsten“ mehr

In Neubaugebieten werden strengere Regeln gegen übermäßige Bodenversiegelung eingeführt.

Klar: Vordergründig erspart der Ersatz zum Beispiel des Vorgartens durch eine Stein- bzw. Schotterschicht mit Blumenkübeln oder ähnlichem Schmuck darauf einiges an Pflegeaufwand. Deshalb haben sich zuletzt auch immer mehr Hausbesitzer für diese scheinbar praktische Variante der Grundstücksgestaltung entschieden. Und es ist noch gar nicht so lange her, dass die Gemeinde Rommerskirchen dem Wunsch von Bürgern nachkam, die Gehölze an ihrer jeweiligen Wohnstraße in Baumscheiben zu stellen, in denen wenig Wildwuchs möglich war. Damit ist aber ab sofort Schluss. Vor dem Hintergrund von Klimawandel, Insektensterben und anderen Warnsignalen aus Umwelt und Natur will die Verwaltung im Rathaus der unangemessenen Flächenversiegelung den Kampf ansagen.

„Wir wollen das nicht mehr“, beschreibt Rommerskirchens Bürgermeister Martin Mertens auf Anfrage unserer Redaktion den neuen Trend im Rathaus. Und der Verwaltungschef verweist darauf, wie das Thema bereits im neuen Bebauungsplan Deelen-Mitte behandelt wird: „Dort haben wir festgelegt, dass nur maximal 50 Prozent der Grundstücksflächen versiegelt werden dürfen“, so Mertens. Nach diesem Vorbild soll auch bei künftigen Bebauungsplänen für Neubaugebiete verfahren werden. Wer derzeit bereits einen Schotter- oder Steingarten an seinem Haus hat, wird aber nicht gezwungen, diesen durch Grün zu ersetzen, in diesen Fällen ist Bestandsschutz garantiert.

 Die Gemeinde hofft nichtsdestotrotz, dass möglichst viele Eigentümer umdenken und freiwillig Steine durch Pflanzen ersetzen – im Sinne einer besseren Umweltbilanz. „Wir würden die Menschen in Rommerskirchen gerne dazu motivieren, versiegelte Flächen zu renaturieren“, sagt Martin Mertens. Wer dafür Anregungen sucht, wird im Buchhandel oder im Internet fündig. Ratgeber zu einer umweltfreundlichen Gartengestaltung gibt es unter diesen Stichwörtern reichlich.

Im Gespräch verweist der Bürgermeister zudem auf die Internetseite von „Bauer Willi“ Kremer-Schillings (www.bauerwilli.com). Dort hat der umweltbewusste Rommerskirchener Landwirt gerade einen Beitrag zum Insektensterben von Agraringenieur Herwig Scholz von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. In dem Text wird in einem Schlenker ebenfalls auf die kritischen Auswirkungen von Steingärten hingewiesen. Darüber hinaus vertritt Scholz aber vor allem die These, dass „der Lebensmitteleinzelhandel und die begleitende Politik (..) über die letzten 40 bis 50 Jahre hinweg in der früher eher kleinbäuerlichen Struktur der Bundesrepublik hunderttausende von Betrieben zur Aufgabe gezwungen (haben)“.

Diese Auswirkungen seien gravierender für die Insektenwelt als der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Misthaufen und Co. dienten der Umwelt mehr als übertriebene Hygiene.

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