Menchen mit Handicap in Rommerskirchen Tischlerin Vivien Finken – ein Beispiel für erfolgreiche Integration

Rommerskirchen · Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen haben es oft schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. Vivien Finken hingegen ist es mit viel Eigeninitiative gelungen. Sie hat ihren Traumarbeitgeber in Klaus Fischer gefunden.

 Vivien Finken (2.v.l.) fühlt sich wohl bei ihrem Arbeitgeber Klaus Fischer (l.). Rainer Imkamp (3.v.l.) und Richard de Mario Cano (r.) stellten die gelungene Integration vor.

Vivien Finken (2.v.l.) fühlt sich wohl bei ihrem Arbeitgeber Klaus Fischer (l.). Rainer Imkamp (3.v.l.) und Richard de Mario Cano (r.) stellten die gelungene Integration vor.

Foto: Andrea Lemke

Im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche der Bundesagentur für Arbeit zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung präsentierte die Agentur für Arbeit Mönchengladbach und Rhein-Kreis Neuss ein gelungenes Beispiel, wie es gehen kann, wenn der richtige Arbeitgeber und die richtige Arbeitnehmerin zusammenfinden.

„Eines Tages stand Vivien in unserem Geschäft in der Bahnstraße und fragte nach einem Praktikumsplatz, den ich ihr sofort gab“, erinnert sich Tischlermeister Klaus Fischer an die erste Begegnung. Es folgte ein zweites Treffen und die Erkenntnis, dass Vivien Finken ein Handicap hat, das sich in einer Konzentrationsschwäche äußert. „Das habe ich zunächst gar nicht gemerkt, und sie musste mir erst erklären, was es damit auf sich hat“, so der Firmeninhaber.

Die 20-Jährige aus Rommerskirchen absolviert von 2020 bis 2023 eine geförderte Ausbildung zur Tischlerin im Berufsbildungswerk Neuwied. Das bedeutete auch, dass sie bereits mit 16 Jahren unter der Woche in einem Internat wohnte, wo sie viel Unterstützung erhielt, um ihre Ausbildung zu machen. Vorausgegangen war eine Berufsberatung, denn wie so viele Jugendliche wusste auch Vivien Finken zunächst nicht, was sie beruflich machen wollte. „Es war klar, dass ich keinen Bürojob machen wollte, bei dem ich still sitzen muss. Ich wollte mich bewegen.“ Die Beratung hat sich gelohnt, und auch die geförderte Maßnahme in Neuwied. Denn: Im Sommer legte sie ihre Gesellenprüfung ab. Und am Ende fanden Klaus Fischer und sie über die Praktika zusammen, aus denen eine Übernahme nach der Ausbildung in ein festes Arbeitsverhältnis wurde, wiederum gefördert von der Agentur für Arbeit.

„Wir möchten sie nicht mehr missen“, sagt der Chef. Bevor Vivien Finken das Team verstärkte, hatte auch er keine Erfahrung mit der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen. Doch dann kam Richard de Maria Cano. Er ist Spezialist und Ansprechpartner bei der Agentur für Arbeit Mönchengladbach, wenn es um die Einstellung von Menschen mit Behinderung und beruflicher Rehabilitation geht. „Es gibt so viele Möglichkeiten und Förderungen für Unternehmen. Nur kennt sich kaum jemand in diesem Förderdschungel aus.“ Seine Aufgabe sieht er daher darin, den Arbeitgeber umfassend zu unterstützen. „Durch dieses Beispiel möchten wir idealerweise bei weiteren Personalverantwortlichen Interesse für Bewerberinnen und Bewerber mit Handicap wecken, Vorbehalte abbauen und über mögliche Unterstützungsangebote informieren“, erläutert der Spezialist.

Hatte Klaus Fischer keine Bedenken? „Nein“, sagt der Tischlermeister. Nachdem er wusste, um welche Behinderung es sich handelt und wie sie sich äußert, war er sich sicher, dass es klappen würde. Denn: „Vivien hat sich schon im Praktikum immer bewährt, immer Interesse gezeigt. Da war der Schritt nicht so groß zu sagen, wir nehmen sie.“

Vivien Finken arbeitet 30 Stunden in der Woche und manchmal braucht sie einfach eine kurze Pause. „Das sagt sie dann, und für uns ist das in Ordnung“, sagt Fischer. „Wir haben das vorher besprochen und alle wissen Bescheid.“ Kommunikation ist der Schlüssel, weiß auch Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Mönchengladbach. „Es ist leider der Klassiker, man spricht zu wenig offen oder zu spät über mögliche Probleme und am Ende passt es nicht mehr“. So weit soll es nicht kommen. „Aber auch in einem solchen Fall lassen wir den Arbeitgeber nicht allein. Wir unterstützen auch im Konfliktfall. Es gibt wirklich genug Helfer, aber sie müssen auch wissen, dass sie helfen sollen“, sagt Rainer de Maria Cano.

Und Vivien Finken? Sie ist glücklich. Glücklich, dass sie es geschafft hat. Ihre Eigeninitiative hat sich gelohnt, auch die Ausbildung im fernen Neuwied. Denn so hat sie ihren Traumarbeitgeber gefunden. „Ich werde hier super unterstützt und fühle mich sehr wohl“, sagt die 20-Jährige.

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