Rommerskirchen: Den Quartettverein Nettesheim gibt es nicht mehr

Rommerskirchen: Zahl der Gesangvereine sinkt : Der Quartettverein Nettesheim hat sich aufgelöst

Nach der Jahrtausendwende haben sich drei von vier Männergesangvereinen in der Gemeinde aufgelöst.

Das Jahreskonzert 2017 war für den Quartettverein auch sein letztes. Jetzt gab sein langjähriger Sprecher Heinz Kropp das Ende des 84 Jahre alten Männerchores bekannt. „Den Quartettverein 1935 Nettesheim gibt es nicht mehr“, sagt der 81-Jährige nicht ohne Wehmut. Am fehlenden Publikumszuspruch hat es jedenfalls nicht gelegen: Über 15 Jahre lang füllte der Quartettverein bei seinen Konzerten das Frixheimer Schützenhaus und brachte es mitunter an den Rand seiner Kapazitäten. Kein anderer der noch zu Beginn des Jahrtausends vier Männergesangvereine (MGV) in der Gemeinde konnte auf ein derart treues Publikum zählen. Übrig bleibt derzeit nur der MGV Vanikum.

Die Gründe, die zum Aus des Chors führten, plagen auch andere Vereine: Fehlender Nachwuchs, Austritte aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen und natürlich auch Todesfälle führten beim Quartettverein dazu, „dass wir Anfang des Jahres mit nur noch sieben Sängern dastanden, so dass ein chorisches Singen nicht mehr möglich war“, sagt Heinz Kropp. Bei sechs der sieben verbliebenen Sänger habe der Altersdurchschnitt 82,3 Jahre betragen, so Kropp, der seit 2005 an der Spitze des Vereins stand – ohne jemals gewählt worden zu sein. „Wenn ich gewählt wäre, müsste ich das alles machen, so tue ich es freiwillig“, pflegte er seinen Status zu kommentieren.

Aktiver Sänger im Chor war auch Josef Schmitz. Der im Dezember 2018 verstorbene Lokalhistoriker hatte anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums 2010 eine Chronik des Quartettvereins geschrieben, der 1935 von neun Mitgliedern des Kirchenchors gegründet wurde, nämlich von Adam Schotten, Joseph Emunds, Johann Hilgers, Jakob Balzer, Theo Hilgers, Toni Bauer, Peter Meisenberg, Adolf Bauer und Adolf Klemmer. Während der Existenz des Chors gab es in seinen Reihen etwa 100 Sänger. Geprägt wurde er nicht zuletzt durch seinen Dirigenten Johann Hilgers, der von 1935 bis 1963 den Taktstock führte. Die historischen Quellen beginnen erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu sprudeln. So nahm der Quartettverein 1949 an einer Benefizveranstaltung zugunsten der 1945 zerstörten Kirche St. Peter teil. Bis in die 1960-er Jahre hinein war der Quarettverein auch Ausrichter gut besuchter Karnevalsveranstaltungen. Belegt ist zudem ein Rundfunkauftritt: Anfang der 1950-er Jahre sendete der damalige NWDR zehn Lieder des Quartettvereins. Dessen verbliebene sieben Mitglieder treffen sich auch nach der Auflölsung des Chors weiterhin im Vereinlokal „Gillbachschänke“ von Kadir Göktas.

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