Rommerskirchen: Anne-Marie Stolz-Mennekes engagiert sich für Pflegeheim in Palästina

Unterstützung in Palästina : Rommerskirchenerin engagiert sich in Krisengebiet

Anne-Marie Stolz-Mennekes hat 2018 in einem Pflegeheim in Palästina gearbeitet. Anfang 2020 wird sie dort wieder tätig sein.

Dass sie „immer schon die Idee hatte, etwas Karitatives zu machen“, mutet auf den ersten Blick ein wenig  befremdlich an. Immerhin hat Anne-Marie Stolz-Mennekes nahezu ihr gesamtes Berufsleben im Gesundheitswesen verbracht.  Dies allerdings fast durchweg in Leitungsfunktionen: Die gelernte Krankenschwester war im St. Elisabeth-Krankenhaus Grevenbroich Stations- und Abteilungsleiterin,  und bis zu ihrem Ausscheiden Ende 2016 leitete sie den Pflegedienst des Kreiskrankenhauses.

 Von daher mag der Wunsch, gleichsam an vorderster Front tätig zu sein, verständlich sein, den sich Anne-Marie Stolz-Mennekes von Februar bis April 2018 erfüllt hat. „Mir ist nichts geschenkt worden, aber ich wollte einfach mal von meinem guten Leben etwas abgeben“, beschreibt sie ihre Motivation. Möglich machte es eine Freundin mit Kontakten ins Westjordanland: Ende 2017 wandte sich Anne-Marie Stolz-Mennekes an den Deutschen Verein vom Heiligen Lande in Köln. Ihre Bewerbung wurde angenommen und sie konnte sich aussuchen, ob sie in einem Gästehaus des Vereins in Jerusalem oder einem Alten- und Pflegeheim im Westjordanland tätig sein wollte.

Sie entschied sich für letzteres und kam nach Beit Emmaus (Haus Emmaus) in  Qubeibeh, einem von Jerusalem gerade einmal zwölf Kilometer entfernten, arabischen Dorf. Für Anne-Marie Stolz- Mennekes war es durchaus auch ein Sprung ins kalte Wasser: „Ich komme aus einer großen Familie und war noch nie allein unterwegs“, beschreibt die verheiratete Mutter dreier Söhne, die inzwischen auch einen Enkel hat,  die absolut ungewohnte Erfahrung,  ganz auf sich allein gestellt zu sein. Beit Emmaus, wo sie ein Vierteljahr lang tätig war, ist ein Pflegeheim, in dem sich Schwestern des Ordens der Salvatorianerinnen unter Leitung von Schwester Hildegard Enzenhofer um  35 christliche und muslimische Frauen kümmern.

Anne Stolz-Mennekes hat sich auch im Land ausführlich umgesehen. Foto: Anne Stolz-Mennekes

Neben Alten und Kranken sind darunter nicht zuletzt relativ viele behinderte Frauen, deren Status in der palästinensischen Gesellschaft schlichtweg katastrophal sei. „Sie werden von klein auf versteckt und sind daher meist autistisch: Eine Frau hat vorher in einem Brunnenschaft gelebt, eine andere jahrzehntelang in einem Hühnerstall“, berichtet Anne-Marie Stolz-Mennekes. Ein Faktor dafür, dass es relativ viele Menschen mit Behinderungen gibt, besteht ihr zufolge darin, dass Heiraten innerhalb der Familie  alles andere als selten sind.

Auch das Gesundheitssystem lässt nach ihren Beobachtungen viele Wünsche offen, um es zurückhaltend zu formulieren. Land und Leute hat sie kennen gelernt, so gut es in drei Monaten geht und dabei „niemals Angst gehabt“, ob sie nun am Toten Meer oder an den Golan-Höhen war.

 Am Technologiezentrum Glehn bildet sie inzwischen Alltagsbegleiter aus und engagiert sich zudem im Lions Club Neuss-Obertor, dessen Vizepräsidentin sie ist.  An Beit Emmaus denkt sie gern zurück, wobei die Devise gilt: „Wenn die mich brauchen, gehe ich da hin.“ Umsetzen kann die Widdeshovenerin sie ab 11. Januar 2020, denn dann übernimmt sie in Beit Emmaus eine fünfwöchige Urlaubsvertretung.