Landwirtschaftsmuseum in Sinsteden Paul Zager bastelt mit 90 noch an Treckern

Sinsteden · Das Herz des Seniors gehört dem Lanz Bulldog. Seiner Leidenschaft geht er im Landwirtschaftsmuseum Sinsteden nach.

 Hier fühlt er sich wohl: Paul  Zager am Steuer eines Lanz-Ackerschleppers aus dem Jahre 1953 im Landwirtschaftsmuseum Sinsteden.

Hier fühlt er sich wohl: Paul Zager am Steuer eines Lanz-Ackerschleppers aus dem Jahre 1953 im Landwirtschaftsmuseum Sinsteden.

Foto: Georg Salzburg (salz)

Hart gearbeitet hat Paul Zager von Kindesbeinen an. Schon als Schuljunge in seiner Heimat Pommern ging er einem Landwirt zur Hand, später nach dem Zweiten Weltkrieg den Russen und den Polen. Es folgten 30 Jahre bei Ford in Köln, anschließend noch Arbeiten in Parkhäusern. Und zwischendurch zog er auch das Haus seines Sohnes hoch. Eigentlich reichlich Gründe, sich endlich daheim in den Sessel zu setzen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Doch Paul Zager ist auch mit 90 nur eingeschränkt in Ruhestand. Einmal wöchentlich, immer mittwochs, führt ihn sein Weg ins Landwirtschaftsmuseum im Kreiskulturzentrum Sinsteden. Dann unterstützt er die aktiven Kollegen aus dem Förderverein des Museums, die sich um die Wartung der alten Maschinen kümmert.

Die Liebe ist es, die den rüstigen Rentner antreibt, eine Liebe, die nun schon 87 Jahre lang hält. Die richtet sich freilich in diesem Fall nicht auf eine Person. „Paul ist unser Spezialist für den Lanz Bulldog“, verrät Jan Volkers, seit vergangenem Jahr Vorsitzender des Fördervereins Landwirtschaftsmuseum Sinsteden, mit einem Schmunzeln. Gleich mehrere Exemplare des legendären Traktors hat Paul Zager für das Landwirtschaftsmuseum bereits auf Vordermann gebracht; teils befanden sich die Fahrzeuge in beklagenswertem Zustand, ehe sie unter Zagers Händen zu Schmuckstücken wurden.

Das besondere Motorengeräusch des Lanz, dieses markante, tuckernde „Butt-butt-butt“, ist es, das das Herz des 90-Jährigen immer noch höher schlagen lässt. Genauso wie bei der ersten Begegnung. 1943 sei das gewesen, wie Paul Zager erzählt. „Da hat unser Gutsbesitzer einen Lanz Bulldog gekauft, und wir Kinder haben darauf gespielt und rumgeturnt“, erinnert er sich. Sein Interesse blieb dem Gutsbesitzer nicht verborgen. „Jedenfalls hat er mich gefragt, ob ich mit dem Trecker arbeiten wolle.“

Zager wollte, und so ging es mit dem Bulldog Streifen für Streifen zum Eggen über den Acker. Die Dimensionen waren gewaltig seinerzeit im Pommerschen. „Der Bauer hatte 400 Morgen Land, eine Bahn auf dem Acker umfasste 650 Hektar und war ungefähr zwei Kilometer lang“, beschreibt der Trecker-Fan die Bedingungen damals. Die Bearbeitung dauerte, denn mehr als 20 bis 25 Stundenkilometer waren auf dem Feld mit dem Lanz nicht drin. Paul Zager störte das nicht. Ebensowenig, dass er zunächst eigentlich noch etwas zu klein für die Maschine war. „Ich musste anfangs vom Sitz runter, um die Kupplung zu treten“, erinnert er sich mit einem Lächeln.

Der Lanz Bulldog begleitete ihn auch auf seinem ganzen weiteren Lebensweg. Der Neuanfang im Westen Ende der 1950er Jahre, nach fast einem Jahr im Übergangslager in Delmenhorst, war geprägt von einem schmalen Geldbeutel. In der Ford-Siedlung in Pulheim sei er in einer Wohnung mit zwei Eisenbetten, einem Elektroherd und einem Ofen gestartet – mehr nicht, berichtet Paul Zager. Geld musste her, und quasi folgerichtig nahm er neben dem Job beim Autobauer noch einen bei einem Landwirt an. „Drei bis vier Stunden täglich.“ So blieb er in Berührung mit den Traktoren. Und als er nach Sinsteden zog und das Landwirtschaftsmuseum eröffnet wurde, da zog ihn die Halle mit den alten Treckern, die vor sich hin rosteten, magisch an. 2000 stieg er bei den Förderern ein, reparierte die Traktoren, schliff Rost ab, strich die Gefährte an – natürlich mit original Lanz-Farbe, die er extra besorgt hatte.

Am 13. Februar hat Paul Zager nun sein 90. Lebensjahr vollendet. Das Datum fiel auf einen Donnerstag, und deshalb dauerte es ein paar Tage, bis ihm seine Kollegen eine besondere Überraschung bereiten konnten. Denn die sollte er natürlich bei einem Mittwochstreffen im Landwirtschaftsmuseum erleben. Zwölf Mitstreiter empfingen ihren Bulldog-Spezialisten mit gedeckter Tafel, Luftballon und Präsent – verdienter Lohn für harte Arbeit.

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