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Rommerskirchen: Rom-Pilgerfahrt als Therapie

Rommerskirchen : Rom-Pilgerfahrt als Therapie

Peter-Josef Plück und seine Frau Maria Czerlitzka sind 2011 per Rad auf der Via Francigena nach Rom gepilgert. Die drei großen Etappen haben sie gut gemeistert, Plück Anfang des Jahres ein Burnout-Syndrom hatte.

Nach überstandenem Burnout sah sich Peter-Josef Plück Anfang des Jahres mit der Tatsache konfrontiert, noch über 50 Tage Resturlaub zu verfügen. Bloß abfeiern wollte er die nicht, maßgeblich war für ihn vielmehr die Frage: "Was bleibt davon in Erinnerung?" Plück entschied sich dafür, unter die Wallfahrer zu gehen. Erster Gedanke ist da natürlich Santiago de Compostela, doch diese Möglichkeit verwarf er schnell: Der Sohn eines Kollegen war gerade dorthin gepilgert und der geschilderte Betrieb auf der populären Pilgerroute mutete Peter-Josef Plück an "wie ein Samstag Nachmittag auf der Hohen Straße in Köln".

Seine Wahl fiel schließlich auf die traditionsreiche Via Francigena, und die führt dorthin, wo bekanntlich alle Wege hinführen: nach Rom. Bislang war der Brudermeister der Rommerskirchener Sebastianer und Vizepräsident des Bürgervereins noch nicht als Wallfahrer in Erscheinung getreten und so teilte er die Tour in drei Etappen auf: Im April ging's per Fahrrad in die Schweiz. Zwei Wochen war er allein unterwegs, dann war seine Frau Maria Czerlitzka mit von der Partie. Gleich im ersten Anlauf ging es bis Lausanne, was Plück angesichts "meines Null-Trainingszustands" selbst überrascht hat: Dass er weiter als bis Trier oder Speyer kommen könnte", lag "völlig außerhalb meiner Vorstellungskraft". Auch wenn er nach der Heimkehr zunächst einmal kein Rad mehr angepackt hat – im Sommer folgte die zweite Etappe: von Lausanne aus ging es via St. Bernhard in die Alpen – was schon strapaziöser wurde: Peter-Josef Plücks Glaube an Wunder hat das rechtzeitige Auftauchen eines umgebauten Feuerwehrfahrzeugs schwäbischer Touristen stark befördert: Die retteten ihn und seine Frau vor der höchsten Steigung, die beide allein nicht mehr geschafft hätten. Bei der letzten Etappe Ende November konnten die beiden nach der eindrucksvollen Landschaft der Po-Ebene hautnah erleben, dass die Toskana alles andere als flach ist. Wohlbehalten in Rom angekommen, warteten im Vatikan "ein paar tausend Jahre Kirchengeschichte", so Peter-Josef Plück. Die vatikanische Bürokratie konnte bewältigt werden – wobei gut ökumenisch auch reformierte Geistliche in der Schweiz zu den katholischen Pilgerstempeln für die Plücks beigetragen haben. Ein Besuch des Petrusgrabs wird den beiden ebenso in Erinnerung bleiben wie eine Papstaudienz. Und was bleibt sonst: "Bei Wallfahrten soll man ja Gott oder sich selbst kennen lernen", meint Peter-Josef Plück, der das Gefühl hat, "von beidem etwas gefunden zu haben." Besonders beeindruckt hat ihn auf allen drei Etappen der Wallfahrt die Offenheit der Menschen.

(NGZ)