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Rommerskirchen: Rheinländerin kauft Haflinger

Rommerskirchen : Rheinländerin kauft Haflinger

In buchstäblich letzter Minute ist die Auktion der 58 Haflinger des insolventen Gestüts Ziegelhof abgesagt worden. Eine Mäzenin hat die Tiere en bloc für 50 000 Euro gekauft. Die Zukunft des Reitbetriebs bleibt aber ungewiss.

Insolvenzverwalter Martin Lambrecht hat eine lange Nacht hinter sich. Wie aus dem Nichts meldete sich am Donnerstagabend eine ernstzunehmende Käuferin für die 58 Haflinger der Reit- und Ferienanlage Ziegelhof, die wegen der Insolvenz der Gesellschaft heute hätten versteigert werden sollen.

"Um halb zwei am Freitagmorgen habe ich den Kaufvertrag aufgesetzt", sagt Lambrecht. Um zehn Minuten vor zwölf Uhr ging gestern die geforderte En-bloc-Summe von 50 000 Euro auf dem Konto des Insolvenzverwalters ein, kurz darauf folgte der unterschriebene Kaufvertrag. Die Käuferin, eine Rheinländerin, die anonym bleiben möchte, hat alle Rechte und Pflichten für die Tiere übernommen. Vorerst bleiben die Haflinger auf dem Ziegelhof. Der Betrieb läuft weiter, die Insolvenz aber ist noch lange nicht abgewendet.

Am 12. Juli hatte das Finanzamt Grevenbroich das Insolvenzverfahren gegen die Gesellschaft "Haflingergestüt Ziegelhof" des Ehepaars Friedrich und Gerda Lesemann eröffnet. Mehr als zwei Millionen Euro lasten auf dem seit Jahren nicht mehr rentablen Betrieb. Der Unterhalt für die Tiere sei nicht mehr zu finanzieren gewesen, erklärte Lambrecht. Die geplante Versteigerung wäre die letzte Alternative gewesen, hätte sich nicht ein Käufer für alle Pferde gefunden.

"Ich freue mich sehr, dass alle Haflinger verkauft werden und in gute Hände gelangen. Die Herde kann damit auf dem Ziegelhof bleiben", teilte Lambrecht gestern nach der Vertragsunterzeichnung mit. Die Versorgung der Pferde (monatlich fallen pro Pferd etwa 200 Euro an) hat die Käuferin zugesichert. Welche Pläne die unbekannte Retterin mit den Pferden hat, ist nicht bekannt. Das werde sich in den kommenden Wochen herausstellen, erklärte Lambrecht. Der Hof ist weiterhin im Besitz Gerda und Friedrich Lesemanns. Die Forderungen der Gläubiger, allen voran die Sparkasse Neuss, bestehen nach wie vor.

Gerda Lesemann sagte gestern: "Der Betrieb läuft weiter." Wie sich der zukünftig finanziell rentieren soll, ist nicht geklärt. Gestern schien das Gerda Lesemanns geringste Sorge. Sie äußerte sich schlichtweg erleichtert. "Ich kann das alles noch gar nicht begreifen. Die letzten Wochen waren für uns sehr unangenehm. Wir hatten uns große Sorge um die Pferde gemacht."

Beruhigt sein dürften nun auch etliche Pferdefreunde und Tierschützer, die in Aufrufen gegen die – nun abgesagte – Auktion gewettert hatten.

(NGZ)