Rommerskirchen: Rheinisch-jovial und harter Lobbyist

Rommerskirchen: Rheinisch-jovial und harter Lobbyist

NRW-Bahnchef Werner Lübberink wohnt in Frixheim. In Rommerskirchen schätzt der passionierte Schwimmer das "Sonnenbad" ebenso wie das Angebot der portugiesischen Vinhoteca.

Es gab Zeiten, in denen die Gemeinde sich lange und vergeblich bemühte, die richtigen Ansprechpartner bei der Deutschen Bahn zu finden: Heute könnte sie sich bei Bedarf gleich an den Chef wenden, denn der wohnt in Frixheim. Als "Neubürger" mag sich Werner Lübberink, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn in NRW, gleichwohl nicht gern ansprechen lassen: Eher schon sei er ein Rückkehrer, wie er kürzlich anmerkte. Vor gut 35 Jahren nämlich hat der heutige Spitzenmanager schon einmal in Frixheim gewohnt.

Geboren ist der 58-jährige Spitzenmanager in Nievenheim. Am Norbert-Gymnasium in Knechtsteden machte er 1978 sein Abitur und absolvierte anschließend bei Mannesmann eine Lehre als Industriekaufmann. Zunächst im Bereich Handel und Export tätig, studierte Werner Lübberink von 1983 bis 1986 an der Wirtschaftshochschule ESCP in Paris, wobei er einen Teil des Studiums in Oxford absolvierte. Drei Jahre lang war er dann für eine Unternehmensberatung tätig. Von 1989 bis 1991 studierte Werner Lübberink an der Harvard Business School, wo er mit dem Master of Business Administration (MBA) abschloss. Er ging zu VW und wechselte 1995 zur Bahn. "Man konnte da viel bewegen", sagt Lübberink, der "die Sanierung der Bahn von 1995 bis heute mitgemacht hat." Die ersten Jahre im Bereich Marketing und Fernverkehr tätig, wechselte Lübberink 2002 nach Brüssel, um die DB-Repräsentanz zu leiten.

Als Cheflobbyist der Bahn machte sich Lübberink in den folgenden 14 Jahren einen Namen: Weniger am Schreibtisch, als dort, wo die Informationen flossen, ging er seiner Arbeit nach, und wurde zu einem der besten und zugleich am meisten gefürchteten Lobbyisten in Brüssel.

Von einem Beamten der EU-Kommission ist der Ausspruch überliefert, im Hotelzimmer erst dann Dokumente auszupacken, wenn er sich vergewissert habe, dass Lübberink nicht unter dem Bett liege. Kenner attestieren ihm, die vier Eisenbahnpakete der EU im Europäischen Parlament derart zugunsten der Bahn entschärft zu haben, dass diese am Ende ganz gut mit ihnen leben konnte.

Werner Lübberink, der "glücklich verheiratet" ist, legt Wert auf die "Work-Life-Balance", auch wenn ihm der Beruf keine Zeit für Hobbys lässt. Der NRW-Bahnchef schätzt in Rommerskirchen neben der Vinhoteca an der Otto-Hahn-Straße nicht zuletzt das Sonnenbad, in dem der leidenschaftliche Schwimmer schon mal seine Bahnen zieht.

In NRW betreibt die Bahn das Projekt "Wiederaufbau West", dessen Inhalt Lübberink mit den Stichworten "einfacher, komfortabler, verlässlicher" umreißt. Kundenzufriedenheit und Attraktivität der Bahnhöfe seien zentrale Punkte auf der Agenda, betont er.

Auch nach Abschluss des Bahnhofsumbaus wird Rommerskirchen hiervon profitieren. Nach 2020 sollen die Bahnsteige auf 76 Zentimeter angehoben werden. Auch eine weitere Verbesserung der Verbindung nach Grevenbroich hin zum 21-minütigen S-Bahn-Takt ist nicht ausgeschlossen.

(NGZ)