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Rhein-Kreis Neuss: In Sinsteden experimentieren Schüler mit Musik und Kunst

Sommerferien im Rhein-Kreis Neuss : Erste musikalische Schritte in alter Hofanlage

Bei einem Ferienworkshop werden Neusser Schüler an die klassische Musik und ihre Schnittstelle zur Kunst herangeführt. Für die Teilnehmer ist das ein Abenteuer.

Bereits am Eingang des Kulturzentrums Sinsteden, dem großen backsteinernen Torbogen, klingt Musik an die Ohren. Kein ganzes Stück – einzelne Töne oder kleine Melodien. Beim Durchschreiten des Innenhofs wird die Geräuschkulisse lauter. Von rechts erklingt aus einer kleinen Tür eine Bratsche, von vorne tönt ein Cajon, das einen E-Bass begleitet. Die Instrumente spielen Jugendliche, die zuvor nur wenig musikalische Erfahrung gesammelt haben. Denn das Kulturzentrum, eine großflächige Hofanlage in der Gemeinde Rommerskirchen, ist aktuell Schauplatz eines fünftägigen Workshops im Rahmen des Bundesprojektes „Kultur macht stark“. Unter dem Motto „Mit allen Sinnen gemeinsam die Welt erforschen“ lernen Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 15 Jahre musikalische und gestalterische Welten kennen.

Elf Neusser Schüler nehmen an dem Projekt teil. In der zweiten Ferienwoche werden sie täglich in Neuss mit einem Kleinbus eingesammelt und nach Sinsteden gefahren. Dort wartet ein sechsstündiges Programm auf sie. Im musikalischen Teil gehe es darum, den Kindern die klassische Musik näher zu bringen, erklärt Musikpädagoge Ralf Bienioschek. Im Workshop übernimmt er die musikalische Leitung. Er sagt: „Die Kinder wachsen nicht mehr mit dieser Art von Musik auf.“ Deshalb erkläre er die klassischen Instrumente und schlägt dann Brücken zu Rock-Pop-Musik. Jedes Kind konnte verschiedene Instrumente – von Geige und Bratsche über Cello und Kontrabass bis zu Rhythmusinstrumenten – ausprobieren. Einige von ihnen hatten noch gar keine musikalische Vorerfahrung. „Sie haben sich super klasse angestellt“, berichtet Bienioschek. „Und manche verschmelzen mit dem Instrument. Es gehört ganz ihnen.“

Neben alten Pflügen und einer Pferdestange inmitten der neuesten Ausstellung des Kulturzentrums üben die Jugendlichen ihr erstes Stück auf dem angelernten Instrument. Das erarbeitete Stück soll im Rahmen eines Abschlusskonzertes aufgeführt werden. „Das endet bestimmt im Chaos“, sagt Lovis lachend. „Wir spielen alle erst seit ein paar Tagen. Aber ich glaube, wir haben gute Fortschritte gemacht.“ Eigentlich spielt der Elfjährige Klavier. Beim Workshop hat er sich zum ersten Mal am Cello versucht. „Es ist viel schwerer zu spielen“, sagt er. Anastasia (11) übt im Nachbarzimmer. „Ich wollte mal etwas Neues ausprobieren“, begründet sie ihre Teilnahme an dem Workshop. Nachdem sie die Instrumente ausprobiert hat, ist sie doch wieder bei der Geige gelandet. Denn die spielt sie seit einem Jahr. Der Unterricht fällt derzeit aus. Jetzt hat sie wieder die Möglichkeit, in einer Gruppe zu üben.

Auf einem Tisch im Museumspädagogischen Raum – auch in diesem Teil des Kulturzentrums üben zwei Kinder eifrig unter Anweisung einer Musikerin – liegen Wassermalbilder, die gerade trocknen. Denn zum Workshop gehört auch ein künstlerischer Part, den die Projektkünstlerin Anke Jüngels begleitet. Dabei geht es um den Einfluss von Kunst auf die Musik und umgekehrt. „Wir haben schon viele Schnittstellen und Symbiosen feststellen können“, sagt sie. Zu ausgewählten Liedern haben die Kinder Bilder gemalt. „Wie das geht, ist schwer zu erklären“, sagt Lovis: „Man hört darauf, wie ein Lied klingt: militärisch oder nach einem Fluss oder nach Frühling. Und dann malt man einfach nach Gefühl.“ „Wenn die Musik nach Natur klingt, male ich Wiesen und Felder“, sagt Jule (11). Sie zeichne sehr gerne, berichtet sie. Mehr Spaß mache ihr aber die Musik. Die Klavierspielerin hat ihre ersten Noten auf dem E-Bass geübt. „Meine Freunde sind hier und es hat sich witzig angehört“, erklärt Jule ihre Teilnahme. „Es macht echt viel Spaß. Und ich freue mich schon auf das Konzert.“ Dann spielen auch die Profi-Musiker und zeigen, wie schön ein einstudiertes klassisches Stück klingt.