René Sydow will Publikum zum Denken bringen

Kulturcafé in Eckum: René Sydow will zum Denken anregen

„Die Bürde des weisen Mannes“ gefiel dem Publikum im Kulturcafé Eckum.

„Trockenes politisches Kabarett“ hatten Derdi und Elisabeth Tiggelkamp als langjährige Stammgäste des Kulturcafés der evangelischen Gemeinde befürchtet. Statt dessen wurden sie von René Sydow und seinem Programm „Die Bürde des weisen Mannes“ überaus angenehm überrascht. „Es war richtig gute Unterhaltung“, meinten die beiden eingefleischten Kabarettfans, für die Sydows Auftritt „der beste in diesem Jahr“ war.

Natürlich muss politisches Kabarett nicht langweilig sein, und selbstverständlich ging es auch bei Renè Sydow um Politik – wenn auch freilich nicht im Sinne eines unentwegt vor sich hin laufenden Newstickers.Hochpolitisch jedenfalls ist Sydows Begriff der Bildung und dessen, was Bescheidwisser aller Couleur darunter versehen. Der Kabarettist sieht Bildung und Wissen nicht unbedingt als Gegensätze an, gleichwohl ist beides alles andere als deckungsgleich. Wenn etwa Grundschulkinder oder eher deren Eltern davon fabulieren, es sei wichtiger, sich in Finanzwissenschaft auszukennen als Gedichte auswendig zu können, bedenkt René Sydow solch verbreitete Haltungen mit schneidendem Hohn. Angesichts der Tatsache, dass heutiges Wissen binnen drei Jahren veraltet, stellt sich jedenfalls das nicht allein im Kabarett nur selten zitierte, Humboldtsche Bildungsideal von der allseitigen Entwicklung der Persönlichkeit als die wesentlich dauerhaftere Alternative dar.

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Sogar den Optativ stellt Sydow seinem Publikum vor, im Griechischen der in anderen Sprachen unbekannte „Konjunktiv der Hoffnung“. Gäbe es den im Deutschen, hat Sydow keinen Zweifel daran, was zu wünschen wäre, nämlich eine Rückkehr der Vernunft. Mit der einher gehen würde eine Rehabilitierung des allen Schnelldenkern verhassten Zögern als „Ausdruck des Denkens“. Nicht nur das Publikum war begeistert, auch umgekehrt gab es Beifall. Unterscheidet der Künstler bei seinem Auftritten zwischen Abenden, die okay sind, solchen die gut und seltenen, die magisch sind, war der Auftritt in Eckum für ihn „ein magischer Abend“, an dem er gern noch stundenlang weitergemacht hätte.

(S.M. )
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