René Steinberg gastiert im Kulturcafé im Rommerskirchen

Kabarett in Rommerskirchen : Humor als Waffe gegen die Wut in der Welt

Mit seinem Publikum hatte René Steinberg von Beginn an leichtes Spiel. Ein paar wohl platzierte Pointen genügten, ihm die Sympathien der knapp 130 Besucher im ausverkauften Kulturcafé der evangelische Kirchengemeinde dauerhaft zu sichern.

Was absolut von Vorteil für den Verlauf des weiteren Kabarettabends war, pflegte Steinberg doch stets auf das interaktive Ping-Pong-Spiel mit seinen Zuschauern zu setzen, deren stets willkommene Zwischenrufe er mit durchweg gelungenen Kontern parierte. Mit seinem aktuellen Programm „Freiwillige vor – wer lacht, macht den Mund auf!“ begeisterte Steinberg auch bei seinem ersten Auftritt in Eckum. Humor in all seinen Funktionen, als Waffe, Lebenselixier oder Wert an sich war das eigentliche Thema des gut zweistündigen Abends, der natürlich nicht ohne Zugaben des ausgebildeten Germanisten, Menschenfreunds und „Bühnentigers“ endete.

Als solcher stattete er auch dem viel gescholtenen Berufsstand des Lehrers seinen Dank ab. Dies gilt natürlich nicht für besondere Exemplare der Spezies, die er sich gut und gern als „Bundeswehr-Ausbilder oder Domina“ vorstellen kann: Steinberg stimmte vielmehr eine Lobeshymne auf „den guten Lehrer“ an, der Schülern nicht lebenslänglich die Lust am Lesen vergällt, und auch Goethes „Faust“ nicht zur staubtrocken-langweiligen Pflichtübung verhunzt.

Nach der zum Ohrwurm „Copacabana“ präsentierten „Danksagung“ an den „Super-Lehrer“, zu der ihn nicht zuletzt sein ehemaliger Deutsch-Lehrer inspirierte, folgte einer der Höhepunkte des Abends. Das zuvor sorgsam gehegte und gepflegte Publikum war ohne Zögern bereit, seinen Part in einer Faust-Lesung im Schnelldurchgang zu spielen und mit verteilten Rollen die von Steinberg angestimmten Klassiker-Zitate zu komplettieren – was, anders als in mancher Unterrichtsstunde, zu keiner freudlosen Zitiererei geriet.

Auch wenn Steinberg gegen viele aktuelle Strömungen Stellung bezieht, verfällt er nicht dem verbreiteten Aberglauben, früher sei alles besser gewesen. Der Unterschied in der Wahrnehmung rührt ihm zufolge nämlich eher daher, dass „Altes Beklopptes sich nicht so anfühlt wie Neues Beklopptes.“ Auch gegenüber dem vermeintlich guten Alten nämlich kann der Humor ebenso gut seinen Beitrag leisten wie er geeignet sein könnte, die aktuelle Wut in der Welt zu dämpfen.