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Rommerskirchen: Puppenspieler an der Orgel

Rommerskirchen : Puppenspieler an der Orgel

Heinz Becker vom Kölner "Hänneschen-Theater" kehrt als Kirchenmusiker immer mal wieder gern zu seinen beruflichen Ursprüngen zurück. Beim Nettesheimer Kirchenchor ist er Ostern erneut im Einsatz.

Der Kirchenchor der Gemeinde St. Martinus kann sich über einen "Neuzugang" freuen: Zu Weihnachten spielte Heinz Becker erstmals während der bislang fünfjährigen Amtszeit von Kirchenmusikerin Melanie Dietershagen die Orgel. Am Ostermontag ist er wieder dabei, wenn der Pfarrcäcilienchor die "Missa Antiqua" von Wolfgang Menschick (1937-2010) singt.

Hauptberuflich ist er Angestellter der Stadt Köln, das freilich an besonders exponierter Stelle. Becker ist nämlich seit mehr als 20 Jahren einer der "unsichtbaren Stars" des weit über die Grenzen der Domstadt hinaus beliebten "Hänneschen-Theaters". Der aus Dormagen stammende Charly Kemmerling fragte Becker damals, ob er nicht Lust habe, zum "Hänneschen-Theater" zu wechseln: Gesucht wurde jemand, der sich auf Puppenspiel versteht, von der Musik mehr als eine bloße Ahnung hat und zudem Kölsch wie auch Hochdeutsch sprechen kann. Voraussetzungen, die bei Becker samt und sonders gegeben waren: "Isch bin ne eschte Kölsche", sagt Becker mit tiefer Bassstimme, der bis Silvester 1989 noch etwas ganz anderes gemacht hatte: "In Köln habe ich noch eine Jahresabschlussmesse gespielt, am 2. Januar 1990 war ich dann beim Hänneschen-Theater."

Heinz Becker, Jahrgang 1951, ist nämlich ausgebildeter Kirchenmusiker und war nach dem Studium an der Musikhochschule von 1972 bis 1989 in seinem angestammten Beruf tätig. Zudem hat er an Musikschulen in Düren und Hilden unterrichtet. Musik liegt bei den Beckers in der Familie: Seine Frau Susanne ist gleichfalls Kirchenmusikerin und wirkt im Seelsorgebereich Dormagen-Nord mit. An den seit Jahresbeginn währenden Proben für die "Missa Antiqua" brauchte der Profi nicht teilzunehmen – bis auf Generalprobe. Da nahm Becker in St. Martinus mit Markus Quodt und den "Nettesheimer Blechbläsern" Peter Hosking, Thomas Wussler und Walter Brachtendorf das "Feintuning" vor.

Musikalisch ist Heinz Becker auch beim "Hänneschen-Theater" aktiv: Lieder stammen aus seiner Feder, wobei seine angestammte Hauptrolle die des "Besteva" ist, er aber auch gern die Rollen des "Vatter Rhing" oder auch des Weihnachtsmanns übernimmt. Dabei betätigt er sich nicht allein als Puppenspieler: Gefragt ist sein handwerkliches Geschick, wenn Puppen zu reparieren sind. Über die Ostertage ist das Theater bis einschließlich 10. April geschlossen, was Becker die Möglichkeit gibt, wieder in einer Kirche zu spielen. Was ansonsten gar nicht so selten der Fall ist: "Ich habe schon in einem weiten Umkreis gespielt. Die Chöre freuen sich immer, wenn sie einen Organisten bekommen, der frei ist." Was seit Neuestem nun auch für den Kirchenchor von St. Martinus gilt: "Die mögen mich", macht Becker deutlich, dass die Chemie zwischen ihm und dem Chor stimmt.

(NGZ)