Rommerskirchen: Pädagogin liebt französische Lebensart

Rommerskirchen: Pädagogin liebt französische Lebensart

Ramona Wehry, Oberstudienrätin und stellvertretende Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Mouilleron le Captif , Captif, organisiert die deutsch-französischen Jugendbegegnungen. Ihre Schüler will sie zu eigenem Denken anregen.

Ramona Wehry, Oberstudienrätin und stellvertretende Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Mouilleron-le-Captif, organisiert die deutsch-französischen Jugendbegegnungen. Ihre Schüler will sie zu eigenem Denken anregen.

Manche Lehrkräfte haben es ja, jenes gewisse Etwas, das sie für ihren so anspruchsvollen Beruf voll und ganz prädestiniert. Im Fall von Ramona Wehry kommt zur Bestätigung eine Menge zusammen, nicht zuletzt durch die Begeisterung für Frankreich.

Wenn Ramona Wehry (38, verheiratet, ein Kind) von sich sagt, sie sei "eigenwillig", dann ist dieses Urteil auf der Stelle erklärungsbedürftig. Negativ kann es auf keinen Fall sein, denn das legt bereits der erste Eindruck nahe. Die Oberstudienrätin am Grevenbroicher Pascal-Gymnasium mit den Fächern Französisch, Philosophie und Geschichte hat Ideen, an deren Umsetzung sie sich konsequent und zielstrebig macht. Besonders wichtig ist freilich ihre Liebe zu Frankreich und zur französischen Sprache.

Leitlinien für alle pädagogischen Einsätze gibt das Schulprogramm vor. Das kann eine Lehrerin wortgetreu eng abspulen. Aber sie kann auch versuchen, für ihre Lehrinhalte Freiräume zu schaffen, wie Ramona Wehry selbstbewusst bekennt: "Der Kreativität Tür und Tor öffnen!" Genau das ist ihr Ding. Schon bei den sehr jungen Klassen fängt sie im Philosophieunterricht damit an, stellt Fragen, gibt Impulse und regt die Klasse zum eigenen Denken an. Selbstverständlich sollen Texte gelesen werden, die inhaltlich zu analysieren sind, aber die sokratische "Mäeutik" hat es ihr am meisten angetan. Mit dieser Methode wird durch ständiges Nachfragen zu eigenen Gedanken geführt, und die Schüler erkennen im Idealfall, was "richtig" und was "falsch" ist.

Wenn nach 65 Minuten - so lange dauert eine Schulstunde im Pascal-Gymnasium - die Glocke tönt und im Klassenraum hörbar Enttäuschung umgeht ("Jetzt ist schon Schluss?"), dann empfindet das die leidenschaftlich philosophierende Lehrkraft als schönstes Kompliment. Je jünger die Klassen sind, so ist ihre Erfahrung, umso offener und ehrlicher sprechen sie auch aus, was sie am Unterricht gut oder schlecht finden. Vor Jahren hat sie am bilingualen Gymnasium in Düren unterrichtet, und daher vermisst sie in Grevenbroich die gewohnte deutsch-französische Zweisprachigkeit.

  • Rommerskirchen : Partnerschaft mit Mouilleron lebt

Ins Rommerskirchener Partnerschaftskomitee mit der kleinen Stadt Mouilleron-le-Captif im französischen Département Vendée ist sie 2016 als Zweite Vorsitzende gewählt worden. Dort kann sie ihre Zuneigung zum Nachbarland voll ausleben und mit ihrer Begeisterung für "La Douce France" andere anstecken. Ohne den Vorschlag des Vorsitzenden Michael Willmann, auch er Gymnasiallehrer, wäre daraus nichts geworden. Grundlage der Partnerschaft ist der mit Leben zu erfüllende Deutsch-Französische Freundschaftsvertrag. "Diese Liaison ist allein schon deshalb von größter Wichtigkeit", erklärt sie nachdrücklich, "weil immer noch viele zwischenstaatliche Vorurteile auszuräumen sind." Der intensive Jugendaustausch wurde von Jupp Kirberg ins Leben gerufen und wird von ihr fortgeführt.

Sich etwas zu trauen, das scheint Ramona Wehry insgesamt ein Herzensanliegen zu sein. Dafür spricht, dass sie mit den ganz Kleinen im Kindergartenalter eine französische Liedaktion durchgeführt hat, die beim gemeinsamen Singen auch gut ankam. Freilich wurde diese Aktion nicht von allen Eltern goutiert, und so regte sich Kritik, so etwas mit U3-Kindern ins Werk zu setzen. "Wir können mit dem Abbau von Vorurteilen nicht früh genug anfangen", hält die Pädagogin dagegen. Und da scheint sie wieder durch, ihre latente und fallweise akute Eigenwilligkeit.

Gesellschaftliche Teilhabe ist für sie blanke Selbstverständlichkeit, soweit es ihre knapp bemessene Zeit als Lehrerin, Hausfrau und Mutter zuließe, schränkt sie allerdings ein. Bei Bürgerinitiativen ist sie ebenso mit von der Partie wie bei Spendenaktionen. Bei der Flüchtlingswelle 2015 hat sie ehrenamtlich an ihrem freien Mittwochnachmittag einen Deutschkurs für Immigranten abgehalten. Nur ihre Schwangerschaft hat diesen pädagogischen Dienst beenden müssen.

Auf ihr Hobby Tanzen will die vielseitige Oberstudienrätin nicht verzichten. Sie bevorzugt Zumba, ein lateinamerikanisches Fitness-Tanzprogramm, mit dem sie an ihre frühe Jugend anknüpft, als sie Tanzmariechen im münsterländischen Steinfurt war und teilnahm an Volkstanzgruppe und Ballett. Ihren eigenen Willen hat Ramona Wehry offenbar von Geburt an. Sie wollte unbedingt aufs Gymnasium, studieren und Pädagogin werden, auch wenn ihr das durch die äußeren Umstände nicht gerade in die Wiege gelegt worden ist. Sie dankt ihren Eltern, sie dabei unterstützt zu haben.

Das Bild wäre unvollständig, wenn nicht immer wieder ihre kritische Grundeinstellung, die auch Selbstkritik mit einschließt, benannt würde. Aber ihre Skepsis äußert sich in einer bei aller Entschiedenheit argumentativ so überzeugenden Weise, dass die Bezeichnung "eigenwillig" einen durch und durch sympathischen Zungenschlag erhält. Chapeau!

(NGZ)