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Rommerskirchen: Neue Kurven für den Gillbach

Rommerskirchen : Neue Kurven für den Gillbach

Der Erftverband plant ein neues Projekt zur Renaturierung des schnurgeraden Gewässers im Bereich von Gut Alshof.Das Genehmigungsverfahren läuft noch. Beginn der ökologischen Umgestaltung ist für Anfang 2012 geplant.

Martina Jüttner, Planungsingenieurin im Bereich Oberirdische Gewässer, vom Erftverband ist zuversichtlich: Auf einer 550 Meter langen Fläche des Gillbachs im Bereich Gut Alshof zwischen Anstel und Evinghoven darf der Gilbach aller Wahrscheinlichkeit nach wieder mäandern. "Nachdem der Landschaftsbeirat des Rhein-Kreises der ökologischen Umgestaltung zugestimmt hat, warten wir noch auf die Entscheidungen weiterer Träger öffentlicher Belange", sagt Jüttner.

Zurzeit verlaufe der Gillbach schnurgerade, das Ufer säumte weder ein Baum noch ein Strauch. "Das sind denkbar schlechte Bedingungen für die Wassertemperatur und die Sauerstoffversorgung." Damit sich die Lebewesen wieder wohl fühlen, soll der Gillbach in sanfte Kurven gelegt werden und seinem natürlichen Verlauf angenähert werden. Das kahle Ufer soll Jüttner zufolge mit "gewässertypischem Grün" bepflanzt werden: Erle, Ohr- und Korbweide, Feldahorn und Hainbuche, Schwarzpappel, Esche, Spitzahorn, Stieleiche, Vogelkirsche und Winterlinde sollen dem fließenden Gewässer Schatten spenden. "Wenn später einmal ein Ast in den Bach fällt, soll der darin bleiben. Er dient vielen Lebewesen als Nahrung", sagt sie. Weil das Genehmigungsverfahren noch in vollem Gange sei, sei ein Beginn Anfang 2012 realistisch.

Dennoch habe der Erftverband bereits üppige, 25 Meter breite Uferstreifen gekauft, um dem Bach den Raum für die kurvige Entwicklung zu geben. "Ein Gewässer braucht vielfältige Strukturen. Dann kann es mal schneller, mal langsamer fließen und sich so verhalten, als hätte der Mensch nicht eingegriffen", erläutert Jüttner. Außerdem soll der Gillbach von den landwirtschaftlichen Nutzflächen abgerückt werden, Schadstoffe werden durch die Vegetation des Ufers ausgekämmt und gelangen so nicht mehr ins Wasser. "Die Morphologie des Gillbachs ist nicht gut. Auf einer Skala von ein bis sieben, bei der sieben die schlechteste Punktzahl ist, steht der Gillbach bei etwa fünf bis sechs. Das heißt, er ist kaum lebendig." Das möchte der Erftverband ändern. Nach Erfahrungen mit Renaturierungen geht die Ingenieurin davon aus, dass das Projekt etwa 150 Euro pro laufendem Meter kosten wird.

Wichtig sei in dem Zusammenhang, dass diese Renaturierungsmaßnahme den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie Rechnung trägt. Die sieht unter anderem vor, Gewässern möglichst ihre unbegradigte Gestalt wiederzugeben. Wie die am Gillbach einmal ausgesehen hat, ist heute aber nicht mehr festzustellen: Martina Jüttner nennt als ältestes Belegstück die im frühen 19. Jahrhundert entstandene Tranchotkarte.

(NGZ)