Rommerskirchen: Modellflieger fürchten Amprion-Projekt

Rommerskirchen : Modellflieger fürchten Amprion-Projekt

Der Modellflugclub Apollo bangt angesichts der geplanten Amprion-Starkstromleitung um seinen Flugplatz.

Eingefleischte Modellflieger sind beim Saisonauftakt des Modellflugclubs (MFC) Apollo in stattlicher Zahl vertreten gewesen, und auch das Stammpublikum fehlte nicht. Das wenig frühlingshafte Wetter hielt jedoch Radfahrer, Wanderer und andere Gäste ab, die sich sonst durch das "Anfliegen" im Butzheimer Bruch anlocken lassen. Und auch sonst herrscht bei den Modellfliegern derzeit nicht unbedingt eitel Sonnenschein.

Der strenge Winter und das ausgefallene Nikolausfliegen sind da nur Problemchen am Rande. "Unsere größte Sorge ist derzeit die geplante Starkstromleitung von Amprion", sagt der MFC-Vorsitzender Wolfgang Becker. Die RWE-Tochter Amprion plant die Errichtung einer Höchstspannungsleitung mit einer Leistung von 380 Kilowatt. Die führt auch durch den Butzheimer Bruch und streift das Fluggelände des MFC Apollo. "Die Leitung würde unseren Flugbereich stark einschränken. Uns würden mit dem Anflugbereich 100 Meter genommen", sagt Becker. Hinzu kommt laut Stellvertreter Gregor Jansen, dass "keine gesicherte Funkverbindung mehr bestünde."

Gespräche mit Amprion hat es bereits gegeben, doch sind die Becker zufolge "fruchtlos" verlaufen. Ausgleichsflächen ließen sich nicht finden. Modellflieger waren im Bruch schon vor der Vereinsgründung heimisch: "Wir sind immer gern hier gewesen", sagt Becker mit Blick auf das 2014 anstehende 40-Jahr-Jubiläum des MFC Apollo. Aktuell jedenfalls sei eine Lösung nicht in Sicht, noch nicht mal eine Alternative.

Als wären die Sorgen um den Flugplatz noch nicht genug, laboriert der MFC Apollo an Phänomenen, die kaum einem Verein fremd sind. "Die Mitgliederzahlen sind rückläufig, Jugendliche kommen immer weniger", sagt Becker. Derzeit gehen im MFC Apollo 60 Modellflug-Enthusiasten ihrem Hobby nach. Erfreuliche Trends gibt es gleichwohl: Manch einer, der als Jugendlicher das Modellfliegen erlernt hat, kehrt ein oder zwei Jahrzehnte später zurück. "Es ist fast so, als gäbe es einen Modellflug-Virus", sagt Becker.

Einem anderen "Virus", ist inzwischen auch Becker selbst erlegen: Noch vor nicht allzu langer Zeit geizte er nicht mit sarkastischer Polemik gegen fertig gekaufte Modellflugzeuge. Die Parole "Wir wollen keine Schaumwaffeln" vertritt der Vorsitzende des MFC Apollo inzwischen nicht mehr: Im Oktober wurde der einstige "Hardliner" weich und kaufte sein erstes Flugzeug "von der Stange." Akkus und Motoren werden immer leistungsfähiger, modernste Elektronik ersetzt bei den neuen Fliegern das Benzin. Zudem sind sie relativ preiswert und bei Bruchlandungen ist es oft billiger, sich gleich ein neues Modell zuzulegen, als sie aufwendig zu reparieren.

Bezifferte Becker das Verhältnis zwischen den Fliegern "Marke Eigenbau" und den gekauften noch vor wenigen Jahren mit "Fifty-Fifty" , gibt es beim MFC Apollo inzwischen kaum noch ein Mitglied, das nicht auch "Schaumwaffeln" sein Eigen nennt.

(NGZ)
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