Rommerskirchen: Maß-Sattel aus Frixheim

Rommerskirchen: Maß-Sattel aus Frixheim

Der Sattlermeister Berhard Theine verkauft seit Februar maßangefertigte Sättel von Frixheim aus. Sein Motto: "Reiter und Pferd müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein, wie eine Stimmgabel und ihr Instrument."

Sattlermeister Bernhard Theine ist das Lächeln förmlich ins Gesicht gewachsen. Strahlend steht er in seiner Sattlerei in Frixheim, umgeben von reiterischen Kunstwerken aus Leder, und erklärt stolz die Besonderheit seines Berufes: "Es ist ein sehr komplexer Beruf. Man muss ein sehr gutes Auge haben, räumliches Vorstellungsvermögen, verstehen wie sich ein Pferd bewegt und vor allem handwerkliches Geschick besitzen", sagt er.

Der 42-Jährige Kölner ist das unverzichtbare Bindeglied zwischen Reiter und Pferd, indem er Sattel maßgeschneidert an Mensch und Tier anpasst. "Reiter und Pferd müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein, wie eine Stimmgabel und ihr Instrument." Ist dies nicht der Fall, sind Rückenverspannung, Muskelentzündung und Lahmheit nur einige wenige der fatalen Folgen beim Pferd.

Mit seinem Meistertitel baut er Sattel um, passt an, verkauft neu und lässt Maßanfertigen. Aus seiner seit Februar eröffneten "Sattlerei Theine" an der Gohrer Straße bedient er hauptsächlich Kunden aus dem gesamten Rheinland, die sein scharfes Auge für Qualität und intensive Kundenbetreuung zu schätzen wissen. Schließlich besucht er jeden Kunden persönlich um anschließend 25 bis 50 Stunden an einem Sattel zu arbeiten.

Er selbst sieht seine absolute Stärke in der Anpassung und arbeitet deshalb immer mit den Kunden vor Ort. Fast 400 Einzelteile vom Leder bis hin zur Wolle und den Schrauben werden in einem einzigen Sattel verarbeitet. So viel Handarbeit hat seinen Preis – ein Sattel kostet zwischen 2500 und 9000 Euro.

Doch wie kommt man dazu den altertümlichen Beruf Sattler zu erlernen? Seit Jahren ist der handwerkliche Beruf vom Aussterben bedroht, geeignete Lehrlinge, die mindestens Abitur haben müssen, findet man nicht so einfach. In diesem Fall ist Bernhard Theine in den Beruf förmlich hineingeboren. Der beste Freund des Großvaters war Sattler, die Familie im Maschinenbau tätig.

Bereits als kleiner Junge entdeckte er seine Vorliebe für Pferde und reitet heute internationale Distanzwettbewerbe. "Pferde haben eine gewisse Direktheit und Ursprünglichkeit. Gerade auf langen Strecken können sie zum engsten Partner werden." Seit zwei Jahren ist Theine Mitglied beim "Bundeskader Distanzreiten" und reitet bis zu 160 Kilometer in elf Stunden am Tag. "Sattlerei ist für mich mehr Berufung als Beruf", sagt er abschließend, wieder mit diesem gewissen Glanz in seinen Augen.

(NGZ)