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Rommerskirchen: Malerin verbindet Natur und Architektur

Rommerskirchen : Malerin verbindet Natur und Architektur

Die 80-jährige Rommerskirchener Künstlerin Martha Reiter eröffnet heute ihre Retrospektive im Kloster Langwaden.

Eigentlich ist sie gelernte Bauzeichnerin. Und das sieht man einigen ihrer Arbeiten durchaus an. Immer wieder tauchen in Martha Reiters Bildern Gebäude auf, meist eingebettet in üppige Landschaften. Und selbst bei ihren abstrakten Arbeiten, oderbesser den "abstrahierten", wie sie selbst sagt, erscheinen oft geometrische Formen.

"Sie hat den Blick der Architektin und den eines Menschen, der die Natur liebt", fasst Robert Jordan zusammen. Er ist Kurator der Ausstellung "Retrospektive", die am heutigen Samstag im ersten Obergeschoss des Klosters Langwaden eröffnet wird und noch bis zum 10. Juni dort zu sehen sein wird. Jordan, der Reiter 2015 bei der Verleihung des Bürgerpreises kennenlernte, den sie für Rommerskirchen und er für Korschenbroich erhielt, hat im vergangenen Jahr auch die Organisation der Kulturwochen "Reiters Scheune" übernommen, die im Juni erstmals unter seiner Leitung stattfinden.

"Ich wollte immer Grafik studieren, aber mir wurde gesagt, dass ich dafür nicht talentiert genug bin", erinnert sich Reiter. Stattdessen machte sie eine Lehre als Bauzeichnerin. "Mich hat es aber immer geärgert, dass die Architekten doppelt soviel Geld bekamen wie ich, obwohl ich die gleiche Arbeit machte", so Reiter. Also startete sie mit 36 Jahren ein Architekturstudium, das sie 1979 erfolgreich abschloss. 1986 erwarb sie mit ihrem späteren Ehemann Klaus einen alten Bauernhof in Evinghoven. Beide brachten das Gelände wieder in Schuss. 1992 hängte Martha Reiter den Architektenjob an den Nagel und beschäftigte sich seither intensiv mit Kunst und Malerei. "Das hatte ich mir schon immer mal vorgenommen, für die Zeit nach meinem Berufsleben", sagt Reiter. 1997 hob sie dann mit ihrem Mann Klaus das erste Jahresprojekt "Reiters Scheune" aus der Taufe, das regionale und überregionale Künstler der verschiedensten Sparten zusammenbringen sollte.

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Ihr erstes größeres eigenes Bild - von einem roten Ikea-Sofa - verkaufte sich so schnell, dass sie sich gar nicht recht davon verabschieden konnte.

Überhaupt fiel ihr das Loslassen von ihren Bildern früher schwer. Nur zögerlich mochte sie ihre Arbeiten hergeben - und wenn, dann nur "in gute Hände". Zum Beispiel an Freunde oder Verwandte. "Es sind ja meine Kinder", begründet die Künstlerin die Verbindung zu ihren Werken.

Allerdings habe sie im Laufe der Zeit gelernt, mit dem Verlust umzugehen. "Über kurz oder lang werde ich mich wohl von allen meinen Bildern trennen müssen. Mitnehmen kann ich sie ja doch nicht", sagt die 80-Jährige und lächelt. Daher habe sie sich auch entschlossen, die Bilder im Rahmen einer Ausstellung zum Verkauf anzubieten.

Manch einer aus ihrem Bekanntenkreis meinte, die Arbeiten gehörten in ein Museum. "Ich halte davon nichts", wischt Martha Reiter dieses Ansinnen beiseite. Sie freue sich, wenn Menschen Gefallen an ihren Bildern fänden und diese bei sich aufhängten.

(NGZ)