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Rommerskirchen: Malerin gegen Rassismus

Rommerskirchen : Malerin gegen Rassismus

Die Malerin Charlotte Horn tritt mit ihrem neuen Buch erstmals als Autorin auf. Der Holocaust und seine bis heute andauernden Nachwirkungen beschäftigen sie auch aufgrund eigener Erlebnisse schon seit langem.

Seit ihrer Kindheit gilt die Liebe von Charlotte Horn der Malerei, der sie sich seit mehr als 20 Jahren intensiv widmet. Nach ihrem 2007 erschienenen Bildband "Das rote Sofa" tritt sie mit ihrer zweiten Buchveröffentlichung jetzt erstmals auch als Autorin in Erscheinung. "Gedanken und Bilder zum Holocaust" lautet der Titel des Bands, in dem sich Charlotte Horn mit einem Thema auseinandersetzt, das sie auch als Malerin bereits beschäftigt hat.

Ende 2010 etwa hat sie in der Hülchrather Synagoge einen Bilderzyklus ausgestellt, der sich an Fotografien von Lawrence Rees orientierend, mit den Schrecken der Konzentrationslager beschäftigte. Etliche der damals ausgestellten, eindrucksvollen Bilder finden sich auch in ihrem neuen Buch. Neben detaillierten Anmerkungen findet sich darin auch ein Essay, in dem Charlotte Horn sich mit dem mörderischen Judenhass und den heute daraus zu ziehenden Konsequenzen auseinandersetzt. Von der religiös begründeten Judenfeindschaft über den "rassischen" Antisemitismus bis hin zur Gegenwart spannt Charlotte Horn den Bogen. Keinen Zweifel lässt sie daran, dass dieser auch heute noch virulent ist. Ihr Buch habe sie vor der Aufdeckung der Zwickauer Nazizelle beendet, aber dass derartiges möglich sei, werde in ihrem Text durchaus deutlich, so die Autorin. Richtig gepackt hat das Problem die 55-jährige Rechtsanwältin erstmals 1983. Während ihres Referendariats in Brüssel tätig, saßen ihr bei einer Bahnfahrt zwei französisch sprechenden Jüdinnen gegenüber, die sich über das Schicksal ihrer Verwandten unterhielten. "Ich war glücklich, hinter meiner Zeitung nicht wahrgenommen zu werden", erinnert sich Charlotte Horn, die nach eigenem Bekunden Scham empfand und in diesem Moment keine Deutsche sein wollte. Ein weiteres "Schlüsselerlebnis" ereignete sich mehr als 20 Jahre später: 2005 machte sie mit ihrer Familie Urlaub am Atlantik, wo ein polnischer Urlauber schroff jeden Kontakt zu Deutschen ablehnte, zumindest soweit es sich um Erwachsene handelt. "Schon aus diesen Beispielen lässt sich ersehen, dass die Zeit für diejenigen, die Unrecht begangen haben, schneller zu vergehen scheint als für die, die Opfer oder auch nur Zuschauer, Zeugen der Greuel des Holocaust gewesen sind", schreibt die Autorin in ihrem Vorwort.

(NGZ)