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Rommerskirchen: Landwirtschaft zum Anfassen in Sinsteden

Rommerskirchen : Landwirtschaft zum Anfassen in Sinsteden

Einige tausend Besucher machten den inzwischen schon traditionellen "Rhenag-Tag" im Kreiskulturzentrum erneut zum Publikumserfolg. Die Besucher konnten technologische Quantensprünge hautnah nachvollziehen.

Sie ist mehr als 100 Jahre alt, pfeift nach wie vor überaus laut und tut auch ansonsten unverdrossen ihren Dienst: 1995 hat Wolfgang Komanns aus Kapellen seine Dampflokomobile aus den USA mitgebracht. Erst kürzlich hat der TÜV das gute Stück wieder abgenommen. Geprüft werden muss die Dampflokomobile angesichts seines Alters wie des Gefährdungspotenzials nämlich jährlich, mit der Komanns gestern wieder beim Rhenag Tag "Rheinische Zugkraft" zu Gast war.

"Dampflokomobilen und Rheinische Kaltblüter waren vor 100 Jahren die Antriebskräfte in der Landwirtschaft", erläutert Kathrin Wappenschmidt, die Leiterin des Kreiskulturzentrums. "Eine Dampflokomobile kann alles antreiben, was mit Transmission angetrieben wird. Theoretisch ließe sich damit auch Strom erzeugen", erzählt Wolfgang Komanns über sein aus dem Jahr 1909 stammendes und nach wie vor voll funktionsfähiges Gerät. Das war gestern nicht nur zu bestaunen, sondern war in seinen einst "klassischen" Arbeitskreislauf integriert. An dessen Beginn stand dabei der Verein "Dreh an" aus Büttgen. "Zwei Abende haben allein die Vorbereitungen gekostet" sagt der Vorsitzende Josef Hoster: Gemeinsam mit Heinz Höffges und Hans Krings hat er das zu Garben gebundene Getreide in einem stilechten Dreschkasten gedroschen, den die Lokomobile angetrieben hat. Fürs Mahlen des gedroschenen Korns war dann der Förderverein des Landwirtschaftsmuseums zuständig. Vorsitzender Klaus Coermann sowie seine Mitstreiter Heinrich Kolvenbach und Hans Mauel gehörten zu dem Team, das den stationären McCormick-Motor überwachte. "Der ist zwar schneller aber nicht stärker als die Dampflokomobile", sagt Heinrich Kolvenbach angesichts des aus dem Jahr 1923 stammenden Aggregats, das technisch bereits eine Stufe höher anzusiedeln ist als die Lokomobile. Am Ende des Kreislaufs stand die erstmals in Sinsteden vertretene Bäckerei Voosen, die gleichsam "live und in Farbe" demonstrierte, wie Brot gebacken wird – das die Besucher dann natürlich auch ofenfrisch kaufen konnten.

Den technologischen Quantensprung, der sich während eines Jahrhunderts auch in der Landwirtschaft vollzogen hat, dürfte nichts besser illustrieren als der nur wenige Meter von der Dampflokomobile stationierte selbstfahrende Rübenroder nebst Rübenlader der Marke "Ropa": Die Kolosse gehören dem Maschinenring Mönchengladbach-Neuss-Gillbach und werden ab Anfang Dezember im Einsatz sein. Ihr Anschaffungspreis: 500 000 Euro.

Was insbesondere viele Kinder freute, waren natürlich die vielen Tiere, die auf dem weitläufigen Terrain zu sehen waren. Gleichsam die "Namensgeber" des Rhenag-Tags waren die beiden überaus zugkräftigen Rheinischen Kaltblutpferde von Ferdinand Tillmann vom Gestüt Neuhaus aus Neukirchen. Das Duo kann bis zu anderthalb Tonnen fortbewegen, beschränkte sich gestern indes auf deutlich weniger leichte Fuhren. Der sonst übliche Shuttle-Verkehr zum Feldbahnmuseum in Oekoven ruhte gestern angesichts der großen Nachfrage auf dem Gelände des Kreiskulturzentrums. Auf dem war auch die Kreisbauernschaft mit vielen Ständen vertreten. Etliche Prachtexemplare ihres Wirkens präsentierten die Rassegeflügelzüchter des Rhein-Kreises Neuss. Auch die Rückriem-Skulpturenhalle war gestern bestens besucht. Aus Interesse an der Kunst und wegen des kühlen Platzes.

(NGZ)