Kreiskulturzentrum in Rommerskirchen-Sinsteden: Spannende Blues-Reise

Kulturzentrum in Rommerskirchen : Spannende Blues-Reise in Sinsteden

Musiker Joep Pelt präsentierte die Entwicklungen des Musikstils im Laufe der Zeit.

„Er ist ein absolutes Ass. Ein Kenner und Könner.“ Wieder einmal hatte Ulrich Weidenhaupt „ein tolles Händchen bei der Verpflichtung eines Musikers“, wie Veranstalterin und Museumsleiterin Kathrin Wappenschmidt im Kreiskulturzentrum Sinsteden lobte.

Ein bisschen kompliziert ist es schon bei der Beschreibung dieser „ganz besonderen Bluesveranstaltung“. Da wurde nicht nur eine Glanznummer der Szene nach der anderen vorgetragen, ob entlehnt oder als Eigengewächs, sondern die komplette Geschichte des Blues war aufgerollt. Diese Aufgabe hatte an diesem klangvollen Abend Joep Pelt übernommen.

Er ist Gitarrist, Sänger, Songwriter und Musikproduzent in einer Person und wurde einst inspiriert vom US-amerikanischen Musikforscher Alan Lomax. Aus dessen Tausenden von Stunden Recherche in über sieben Jahrzehnten hat Joep Pelt ein exquisites Acoustic-Set zusammengefügt, das gespickt ist mit seiner eigenen Blues-Vita und, alles beherrschend, dem weltweit variierten Blues.

In typisch niederländischer Lockerheit, sein Deutsch ein wenig radebrechend (und damit die Sympathiewerte noch erheblich steigernd), folgte Joep Pelt den Spuren seines großen Vorbilds. Alan Lomex gilt als Musikarchäologe, der überall Musikstile aufgespürt hat, ob in der Heimat des Blues, Amerika selbst, oder gar in Äthiopien und Mali. Heute hat Joep Pelt diese Musik auf seine Art verinnerlicht und präsentierte am Samstagabend eine regelrechte Uraufführung. Mit diesem auf Lomax beruhenden Programm und eigenen Kompositionen wird er auf große Tournee gehen.

„Call & Response“, „Shouter“ – das damit vertraute Blues-Publikum im Kulturzentrum sprang bei diesen Klängen sofort an. Joe Pelt sorgte für einen entspannenden Abend, eröffnete auch neue Connections. Mit jedem der wohltuend kurzen und prägnanten Songs schälte sich das Wesen des Blues nachhaltiger heraus. Mit sparsamen, dann wieder kräftigen Gitarrengriffen öffnete sich die ganze weite Welt des Blues.

Immer wieder taten sich Überraschungen auf, wenn beispielsweise die südafrikanische „Soweto Soul“ instrumental und gesanglich beschworen wurde. Oder wenn der längst als „Guitar Globetrotter“ titulierte Pelt vom Bewahren alter und vom Aussterben bedrohter Musikkulturen sprach. Mali mit seinem ganz speziellen Sound ist ein typisches Beispiel für die Adaptation des Blues und seine Bereicherung durch alte Kulturen.

Wenn auch am US-Staat Mississippi beim Aufrufen des Blues kein Weg vorbeiführt, scheint doch der alleinige Blick auf diese Spontanmusik der Afroamerikaner eine unzulässige Einschränkung zu sein. Das immerhin konnte als nachhallende Message an diesem wunderbaren Abend in Sinsteden mitgenommen zu werden.